Etatkürzungen Berlin fährt Tierschutz zurück – um 96 Prozent
Taubengehege am S-Bahnhof Tempelhof in Berlin: Populationsmanagement weggespart?
Foto: Foto: Sabine Brose / Sorge / IMAGO / Frank SorgeBerlin setzt den Rotstift an: Rund 560 Millionen Euro fehlen dem Senat im aktuellen Haushalt – und diese Summe gilt es einzusparen. Alle Ressorts müssten Einbußen hinnehmen, hieß es. Einige aber wohl mehr als andere.
Sehr groß sind die Finanzierungslücken laut einem Bericht des Senders RBB beim Tierschutz: »Es wurden 377.700 Euro aus dem Landestierschutzbeauftragte-Budget gestrichen«, sagte die zuständige Beauftragte Kathrin Herrmann. »Das entspricht über 96 Prozent meines Jahresbudgets.«
Es blieben weniger als 14.400 Euro für den Rest des Jahres, heißt es in dem Bericht. Die Motive für die massiven Einsparungen seien unklar: »Tierschutz hat keine Priorität«, so Herrmanns Einschätzung. Für die Landestierschutzbeauftragte zuständig ist Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU).
Jetzt sei die Weiterführung vieler Projekte gefährdet, etwa das Stadttauben-Management. Mehr als die Hälfte des Etats der Landestierschutzbeauftragten, rund 200.000 Euro, sollten in die tierschutzgerechte Eingrenzung der Taubenpopulation fließen.
Vorgesehen waren betreute Taubenschläge mit artgerechter Fütterung und Eiern, die zur Reproduktionskontrolle gegen Attrappen ausgetauscht werden. Auch sollten Brutplätze verschlossen werden. Mit den wegfallenden Geldern müsste Berlin in Zukunft ohne Stadttaubenmanagement klarkommen. Die Landestierschutzbeauftragte hofft, hier noch nachverhandeln zu können.
Auch die Unterstützung von Ehrenamtlichen sei gefährdet, ebenso die Präventionsarbeit wie etwa der Tierschutzunterricht an Schulen.
In der rot-grün-roten Vorgängerregierung habe die Landestierschutzbeauftragte noch über 400.000 Euro verfügt, im vergangenen Jahr seien es nur noch 246.000 Euro gewesen.
»Finanzieller Genickbruch für den Tierschutz«
Schon vor zwei Wochen hatte die Vorstandsvorsitzende des Tierschutzvereins für Berlin (TVB) scharfe Kritik an den Sparplänen der Berliner Regierung geübt: »Die beschlossenen Einsparungen bedeuten den finanziellen Genickbruch für den Tierschutz«, sagt Eva Rönspieß laut »Berliner Kurier «.
Es fehle nun an Geld für Tierheim, Tiertafel, Katzenschutz und Taubenmanagement, so die Vorsitzende. »Für das Haushaltschaos und die Fehlplanung der schwarz-roten Koalition müssen jetzt die Schwächsten bezahlen, diejenigen, die keine Stimme haben und sich nicht wehren können.«