Tierverhalten Die Pinguine drehen durch
San Francisco - "Wir haben total die Kontrolle verloren, berichtete die Pinguin-Pflegerin Jane Tollini verzweifelt dem "San Francisco Chronicle". Den ganzen Tag über zieht die Pinguin-Gruppe in exaktem Abstand zueinander ihre Bahnen und legt erst am Abend eine Pause ein. Das habe sie in ihren 18 Berufsjahren noch nicht erlebt. "Schon beim Hinschauen wird einem schwindelig", sagte Tollini. "Mit diesen Tieren werde ich nicht fertig."
Normalerweise ziehen sich die Pinguine Anfang November in ihre Nester zurück und werden erst wieder Mitte Februar aktiv. Aber seit Dezember sind die Tiere hyperaktiv. Die Tierpfleger geben sechs Neulingen, die damals zu der Gruppe stießen, die Schuld an dem ungewöhnlichen "Migrationsverhalten". Wenige Stunden nach der Ankunft der Magellan- Pinguine aus "Sea World" in San Diego begann das Dauerschwimmen. "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie die Neuen die anderen Tiere überzeugten, bei dem Treiben mitzumachen", kann sich Tollini das Verhalten aber dennoch nicht so richtig erklären.
"Pinguine sind außergewöhnlich soziale Vögel", sagt Christina Slager, Pflegerin im Aquarium von Monterey Bay. "Und total neugierig dazu. Wenn man diese Fakten kombiniert, und dann einen neuen Stimulus hinzufügt, wie die sechs neuen Tiere, dann müssen sie das prüfen."
Biologe Pam Schaller vom Steinhart Aquarium in San Francisco sieht es nüchterner. "Genetisch sind Pinguine zum Schwimmen bestimmt", stellt er fest. "Erstaunlich wäre es gewesen, die sechs hätten ihren 46 Kollegen etwas Untypisches beigebracht. Zum Beispiel durch einen Reifen zu springen."