Tod in der Wüste Deutsche Geisel erlag den Strapazen
Berlin - Nach den monatelangen Strapazen sei eine weibliche deutsche Geisel an einem Hitzschlag gestorben, berichtete das ARD-Hauptstadtstudio am Mittag. Das Auswärtige Amt habe die Angehörigen am Dienstagvormittag über den Tod der Frau informiert, hieß es weiter. Die Leiche sei wahrscheinlich von den Entführern in der Wüste begraben worden. Wie mehrere Quellen unabhängig voneinander bestätigten, handelt es sich bei der Toten um die 45-jährige Michaela S. aus Augsburg. Sie soll bereits vor einigen Wochen gestorben sein.
Von offizieller Seite wurden die Informationen weder bestätigt, noch dementiert. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes, das in dem Entführungsdrama bereits vor Monaten eine Nachrichtensperre verhängt hatte, sagte zu dem ARD-Bericht: "Die Bundesregierung kann sich zu dieser Meldung nicht äußern. Es geht hier um Menschenleben. Im Interesse der Betroffenen, die sich nach wie vor in einer sehr schwierigen Lage befinden, kann die Bundesregierung keine Angaben machen."
Man unternehme weiter alles, um den Betroffenen zu helfen. Der Sprecher fügte hinzu, dass die Regierung in regelmäßigem Kontakt mit den Angehörigen der Geiseln stehe. "Sie werden ausführlich und intensiv über die Erkenntnisse, die der Bundesregierung vorliegen, unterrichtet."
Meldungen, die Geiseln seien aus der algerischen Wüste ins benachbarte Mali gebracht worden, hatten in den vergangenen Tagen Anlass Hoffnung auf ein baldiges, friedliches Ende aufkeimen lassen. Dem ARD-Bericht zufolge gehen die Sicherheitsbehörden fest davon aus, dass sich die Geiseln in Mali befinden. Algerische Medien berichteten dagegen, Entführer und Geiseln befänden sich weiterhin auf algerischem Boden, wo den Entführern im Falle der Geisel-Freilassung freies Geleit zugesichert worden sei.
Nach ARD-Informationen ist die Geisel-Affäre seit der Ankunft der Entführer in Mali erstmals in Bewegung geraten. In Sicherheitskreisen werde von einem "dynamischen Prozess" gesprochen, in dem sich die Lösungsversuche derzeit befänden.
Die Gruppe, zu der die nun angeblich gestorbene Frau gehörte, war vor etwa vier Monaten in der Sahara verschleppt worden. In der Wüste herrschen derzeit Tagestemperaturen von bis zu 50 Grad Celsius. In der Nacht fällt die Temperatur dann sehr stark ab.
Die Kidnapper haben 15 Urlauber in ihrer Gewalt. Dabei handelt es sich um 10 Deutsche, vier Schweizer und einen Niederländer. 17 weitere europäische Touristen waren Mitte Mai befreit worden.