"Todeslaster" Haftbefehl gegen den Fahrer
London/Rotterdam - Der 32 Jahre alte Lkw-Fahrer Perry Wacker wurde von einem Ermittlungsrichter im englischen Folkestone wegen Verdachts des Totschlags in 58 Fällen sowie Beihilfe zum unrechtmäßigen Grenzübertritt zunächst für eine Woche in Haft genommen. Der Niederländer war am Montag festgenommen worden, nachdem der Zoll von Dover in seinem Gemüsetransporter die Leichen von 58 erstickten Flüchtlinge aus China entdeckt hatte, die illegal nach Großbritannien hatten einreisen wollen.
In Dover gab das Büro des Leichenbeschauers am Freitag weitere Einzelheiten über die grausamen Todesumstände der 54 Männer und vier Frauen bekannt. Sie starben danach in dem luftdicht abgeschlossenen Kühlcontainer an Kohlendioxidvergiftung. Die Belüftungsklappe des Containers wurde während der Kanalüberquerung geschlossen. Wegen der qualvollen Hitze hätten sich die Opfer ihre Kleider vom Leib gerissen.
Etwa 90 Minuten nach der Abfahrt von Zeebrügge hätten die Flüchtlinge ihre Situation erkannt und damit begonnen, verzweifelt mit Händen und Schuhen gegen die Innenwände des Containers zu trommeln, sagte Leichenbeschauer Graham Perrin. Er bezeichnete es als "erstaunlich", dass zwei der insgesamt 60 Flüchtlinge überlebten. Dies sei allein darauf zurückzuführen, dass durch den Tod der anderen "mehr Luft freigesetzt wurde."
In den Niederlanden sollten noch am Freitag Wackers Vater und der Eigentümer des "Todeslasters", Arje van der Spek, dem Haftrichter vorgeführt werden. Van der Spek will "absolut nichts davon gewusst" haben, dass sein Lastwagen dem Menschenschmuggel diente. Sein Anwalt sagte laut "Algemeen Dagblad" vom Freitag: "Mein Klient dachte, dass er als Strohmann gebraucht würde, wo es um Steuerhinterziehung oder Handel mit Haschisch geht." Außer diesen drei Verdächtigen sind noch zwei Chinesen in Großbritannien festgenommen worden.
Perry Wacker und Arje van der Spek kennen sich nach holländischen Presseberichten aus dem Rotterdamer Glücksspielmilieu. Spielschulden sollen Van der Spek dazu bewegt haben, beim Einschmuggeln der Chinesen die Rolle des Strohmannes zu übernehmen. Er hat demnach seinen Namen für das erst am 15. Juni registrierte Transportunternehmen hergegeben, dem der Laster gehörte.