Todeslaster von Dover: Das Ende einer monatelangen Odyssee - DER SPIEGEL
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Todeslaster von Dover Das Ende einer monatelangen Odyssee

Die 60 Chinesen, von denen 58 beim Versuch der illegalen Einreise in einem Lastwagen im englischen Hafen Dover erstickten, waren zuvor offenbar vier Monate lang unterwegs gewesen. Die niederländische Polizei nahm in Rotterdam einen Verdächtigen fest.
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Amsterdam/London - Der Gemüsetransporter, in dem die 58 Menschen ums Leben kamen, gehört nach Informationen der britischen Polizei dem 24-jährigen Arjen van der Spek aus Rotterdam. Ob er der Festgenommene ist, gab die Staatsanwaltschaft jedoch noch nicht bekannt. Erst am vergangenen Donnerstag habe der noch bei seinen Eltern lebende Elektroingenieur seine Speditionsfirma "Van der Spek Transporten" im Handelsregister eintragen lassen, hatte ein britischer Polizeisprecher berichtet.

Der 20 Jahre alte Yang Chen, der selbst im Januar als Asylsuchender nach London kam, sagte britischen Journalisten am späten Dienstagabend, er sei sicher, dass sein Cousin Chen Lin unter den Toten sei. Die Gruppe, in der sich sein Verwandter befunden habe, habe im Februar die Stadt Jiangle in der Südprovinz Fujian verlassen und sei dann über Peking, Moskau, Tschechien und Holland weitergereist. Immer wieder hätten die "Illegalen" die Angehörigen daheim über den Stand der Reise unterrichtet.

Die Verwandten seien überrascht gewesen, weil sie angenommen hätten, die Gruppe der nach England Reisenden benutze das Flugzeug und werde ordentlich Asyl beantragen. Sein Cousin habe 14.000 Dollar für die Reise bezahlt und deswegen bei einem Geldverleiher Schulden machen müssen. In Jiangle habe die Nachricht vom Tode der 58 Menschen große Bestürzung ausgelöst. Der Agent, der das Geld kassiert habe, sei verschwunden. "Alle sind so wütend. Sie hoffen, dass der Agent bald verhaftet wird", sagte Chen.

Als Drahtzieher wird eine der berüchtigten "Schlangenkopf-Gangs" - eine chinesische Schleuserbande - vermutet. Die britische Polizei glaubt, dass van der Speks Speditionsfirma zur Deckung des Menschenschmuggels gegründet wurde. Der niederländische Fahrer des Lastwagens war nach der Entdeckung der Leichen in Dover festgenommen worden. Außer von ihm erhofft sich die Polizei auch Informationen von den beiden einzigen Überlebenden. Weil die britischen Behörden fürchten, dass die chinesischen "Schlangenkopf-Gangs" versuchen könnten, die Zeugen zum Schweigen zu bringen, würden diese an einen geheimen Ort gebracht und von bewaffneten Beamten bewacht. Ihr Zustand sei gut.

In Peking zeigte sich die chinesische Regierung schockiert über die Tragödie. Man habe Kontakt zur britischen Seite aufgenommen, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Zhu Bangzao. China habe im vergangenen Jahr seine Kooperation mit anderen Ländern und seine Bemühungen verstärkt, der illegalen Auswanderung Einhalt zu gebieten.