Toronto: Black-Box des verunglückten Airbus gefunden - DER SPIEGEL
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Toronto Black-Box des verunglückten Airbus gefunden

Nach dem Crash der Air-France Maschine in Toronto haben kanadische Ermittler den Flugschreiber gefunden. Die so genannte Black Box könnte das Rätsel um die Unfallursache der Bruchlandung nahe des Flughafens lösen. Bislang konnte nur spekuliert werden: Der völlig zerstörte Airbus sei möglicherweise im Landeanflug von einem Blitz getroffen oder von Böen auf den Boden gedrückt worden, lauteten erste Mutmaßungen.
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Toronto - Der Flugdatenschreiber und das Stimmaufzeichnungsgerät seien im Wrack des verunglückten Airbus gefunden worden, sagte ein Sprecher der Flughafenverwaltung. Er wollte sich jedoch nicht zu möglichen Beschädigungen der Geräte äußern. Sie seien Spezialisten der kanadischen Flugsicherheitsbehörden zur Auswertung übergeben worden.

Das Flugzeug war erst vor einem Monat überprüft worden. Der Airbus war gestern Nachmittag nach der Landung in Toronto bei einem Gewitter von der Piste abgekommen, in eine Senke gestürzt und zerbrochen. Alle 309 Insassen konnten gerettet werden. Die Unglücksursache blieb zunächst unklar: Mehrere Passagiere berichteten, das Flugzeug sei vom Blitz getroffen worden. So sagte der Passagier Roel Bramer, er habe einen Blitz gesehen, genau in dem Moment, als die Maschine landete.

Zum Zeitpunkt der Bruchlandung tobten im Luftraum über Toronto schwere Gewitter. Die Landebahn sei sehr rutschig gewesen, hieß es. Experten schlossen nicht aus, dass der Airbus von einem Windstoß erfasst worden sein könnte oder wegen Aquaplanings auf der Piste nicht richtig bremsen konnte. Dass bei dem Unglück lediglich 43 Menschen leicht verletzt wurden, bezeichneten die meisten von ihnen als Wunder.

Ob ein Blitz tatsächlich der Grund für die Bruchlandung war, muss eine Untersuchung zeigen. Flugzeuge sind gegen diese Gefahr aber relativ gut geschützt. "Als Linienpilot bekam ich regelmäßig Blitze ab", sagte der geschäftsführende Direktor von Air France, Pierre-Henri Gourgeon. "Das ist beeindruckend, macht Lärm, die Elektrizität fällt aus, aber wie im eigenen Heim springen die Sicherungen raus, man drückt sie wieder rein, und alles läuft wieder." Passiere dies einige Sekunden nach dem Aufsetzen, könne es schwierig werden, weil die Bremscomputer neu initialisiert werden müssten. Auch der Ausfall der Bremsen sei dann möglich. Auf der Landepiste habe es sehr viel Regenwasser und starke Böen gegeben. "Die Wetterbedingungen waren sehr schlecht", sagte Gourgeon.

Beim Abflug von Paris hatte der am Flughafen in Toronto verunglückte Air-France-Airbus keine technischen Probleme. Die Maschine sei zuletzt am 5. Juli kontrolliert worden, sagte Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta am Pariser Flughafen Roissy Charles de Gaulle. Der Jet in Toronto war ein A340-300, der standardmäßig für 295 Passagiere ausgelegt ist und eine Reichweite von 13.700 Kilometern hat. Die knapp 64 Meter lange Maschine war von Air France im September 1999 in Dienst gestellt worden. Bis heute befand sich das Flugzeug 28.418 Stunden in der Luft und absolvierte 3711 Starts und Landungen.

Aufnahmen, die der britische Fernsehsender BBC ausstrahlte, zeigten, dass sich an dem havarierten Flugzeug mindestens eine der Notrutschen nicht entfaltet hatte. Die flüchtenden Passagiere mussten zum Teil einige Meter tief springen.

Spinettas Angaben zufolge war der Flughafen von Toronto, der wegen schwerer Gewitter geschlossen worden war, kurz vor der Landung der Air-France-Maschine von der kanadischen Flughafenbehörde wieder geöffnet worden. Spinetta wollte noch heute nach Toronto fliegen, um die Untersuchungsarbeiten zu koordinieren.

Laut Brian Lackey von der Flughafenbehörde von Toronto hätte der Airbus A340 genug Treibstoff gehabt, um dem Sturm auszuweichen und einen anderen Flughafen anzusteuern, "aber das ist die Entscheidung des Piloten", sagte Lackey. "Es war definitiv einer der stärksten Stürme seit langem." Auf dem Flughafen habe zum Zeitpunkt der Landung Blitzalarm geherrscht. Dieser Alarm bedeute, dass alle Arbeiten am Boden eingestellt würden, Flugzeuge aber weiter landen könnten.

Der kanadische Verkehrsminister Jean Lapierre erklärte, er sei darüber informiert worden, dass die Maschine wahrscheinlich zu spät auf der Landebahn aufsetzte. Kanada und Frankreich kündigten gemeinsame Ermittlungen an. Ein Team von 15 Experten beider Länder werde unter anderem das Verhalten der Piloten, das Zusammenspiel zwischen ihnen und dem Tower sowie die Informationen und Anweisungen der Fluglotsen überprüfen.