Esther Horvath / Alfred-Wegener-Institut
Das friedliche Wetter auf dieser Luftaufnahme kann leicht darüber hinwegtäuschen, wie lebensfeindlich die Einsatzorte der »Polarstern« normalerweise sind. Hier, am geografischen Nordpol, führt die fast 100-köpfige Besatzung des eisbrechenden Forschungsschiffs mehrere Wochen lang Untersuchungen des Eises, Meerwassers und Tiefseebodens durch.
Obwohl es der weltweit heißeste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist, machen die Wissenschaftler eine überraschende Entdeckung: In der Zentralarktis ist das Meereis dicker als in den vorherigen Jahren, auch schmilzt es an der Oberfläche wegen kräftigerer Schneefälle nicht so schnell wie erwartet. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts erklären das Phänomen mit Anomalien bei der Eisdrift und veränderten Luftströmen über der Arktis.
Auch unter Wasser beobachten die Forscher mit Tauchrobotern Veränderungen: Weil die dicke Schneeschicht auf dem Eis kaum Licht durchlässt, gibt es deutlich weniger Algen, die als Nährstofflieferanten für das gesamte Ökosystem wichtig sind. »Das Eis war dieses Jahr wie tot«, sagt Expeditionsleiterin Antje Boetius. In der Tiefe gibt es dagegen mehr Leben als in den Vorjahren: Würmer, Seeanemonen und Seegurken haben sich auf dem einst glatten Meeresgrund angesiedelt.