Tough Guy Knut Höhler: "Das gibt Gehirnfrost" - DER SPIEGEL
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Tough Guy Challenge: Blut, Schlamm und Schmerzen

Foto: DARREN STAPLES/ REUTERS

Tough Guy Knut Höhler "Das gibt Gehirnfrost"

Warum springen Menschen freiwillig in mit Eiswasser gefüllte Tümpel, laufen über brennende Heuballen und lassen sich Stromschläge verpassen? Die Tough Guy Challenge im britischen Perton gilt als brutalstes Rennen der Welt - Knut Höhler hat es bereits zweimal gewonnen. Ein Gespräch über Extreme.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Herr Höhler, Sie haben bei der Tough Guy Challenge erneut triumphiert - und dabei unter anderem brusttiefe Schlammgruben und zehn Meter hohe Hindernisse aus Holz überwunden. Wie verrückt muss man eigentlich sein, um bei so was mitzumachen?

Höhler: Wahrscheinlich muss man schon ein bisschen bekloppt sein. Man muss außerdem Lust auf Abenteuer haben. Wer als Kind gerne an Klettergerüsten auf Abenteuerspielplätzen herumgeturnt ist, der hat auch Spaß an solchen Rennen. Das sind Abenteuerspielplätze für Erwachsene. Es laufen ja auch immer Tausende Menschen mit. Ganz so schlimm kann es um mich also nicht bestellt sein. Vielleicht kann man mich als mittelwahnsinnig bezeichnen.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren Triathlet, sind jetzt erfolgreicher Marathonläufer im Team der LG Olympia Dortmund. Reicht das nicht als Herausforderung?

Höhler: Auf Dauer sind mir Marathon- und Crossläufe zu langweilig. Ich weiß vorher ziemlich genau, welche Zeit ich laufen werde und was mich erwartet. Das ist bei der Tough Guy Challenge anders. Die Hindernisse sind unberechenbar und auch die Gegner viel schwieriger einzuschätzen.

SPIEGEL ONLINE: In diesem Jahr sind Sie mit blutverschmiertem Gesicht ins Ziel gekommen, weil Sie sich auf halber Strecke den Kopf an einem Holzblock aufgeschlagen haben.

Höhler: Das hat schon ganz schön gerummst. Aber solche Platzwunden sehen immer schlimmer aus als sie wirklich sind. Deshalb war klar, dass ich auf jeden Fall weiterlaufe. Als Medizinstudent konnte ich die Situation gut einschätzen. Ich war auch nur kurz beeinträchtigt. Für das nächste Hindernis, einen Sprung von einer drei Meter hohen Holzplanke in einen Tümpel, hatte ich mir eigentlich einen Rückwärtssalto vorgenommen, habe dann aber nicht dran gedacht und bin einfach so runtergeplumst. Das hat mich an der ganzen Sache hinterher am meisten geärgert.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das Härteste an diesem Rennen?

Höhler: Das Härteste sind definitiv die Temperaturen. Im Sommer wäre das Rennen nicht so schlimm wie im Winter. Man muss mehrmals durch diese Eiswasser-Tümpel und den Kopf dabei unter Wasser tauchen. Das führt schon zu Schnappatmung. Die Kälte ist echt fies. Im Ziel habe ich so gezittert, dass ich den warmen Kakao, der mir in die Hände gedrückt wurde, fast sofort wieder fallengelassen hätte.

SPIEGEL ONLINE: Und trotzdem haben Sie das letzte Hindernis gleich zweimal absolviert?

Höhler: Ja, das war ganz kurz vor dem Ziel und ich hab gesehen, dass mein Vorsprung groß genug ist. Es ging einen Anstieg hoch und dann musste man auf dem Hintern in einen dieser Tümpel rutschen. Weil es so viel Spaß gemacht hat, bin ich dann gleich noch mal hoch. Mir geht es bei diesen Rennen hauptsächlich um den Spaß. Ich muss nicht unbedingt gewinnen - obwohl das natürlich ein schöner Nebeneffekt ist.

SPIEGEL ONLINE: Müsste der angehende Mediziner Höhler dem Athleten Höhler nicht Startverbot für Rennen wie die Tough Guy Challenge erteilen?

Höhler: Das Risiko ist noch kalkulierbar. Klar bin ich im Ziel erst mal unterkühlt, aber nach ein bis zwei Stunden geht das wieder. Und das mit der Platzwunde war einfach Pech. Medizinisch ist das Ganze noch vertretbar - in gewissen Grenzen.

SPIEGEL ONLINE: Wie bereiten Sie sich auf diese Rennen vor?

Höhler: Hauptsächlich mit normalem Lauftraining, häufig auf Waldwegen. Da liegen immer ein paar Baumstämme rum, über die man drüberspringen kann. Für den Tough Guy kann man aber gar nicht vernünftig trainieren, da bräuchte ich schon einen Bundeswehr-Hindernisparcours.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind zur Vorbereitung schon mal in den heimischen Ententeich gehüpft - im Januar, bei Minusgraden.

Höhler: Stimmt. Letztes Jahr. Um mal zu testen wie der Körper darauf reagiert. Da hab ich schnell gemerkt, dass ich den Kopf nicht zu lange unter Wasser tauchen sollte. Das gibt dann so ein Gefühl, als ob man ein Eis zu schnell gegessen hat: Gehirnfrost.

Das Interview führte Jens Witte