Transrapid-Unglück: Emsland trauert, Politik streitet - DER SPIEGEL
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Transrapid-Unglück Emsland trauert, Politik streitet

Im Emsland nehmen die Menschen heute bei einem Trauergottesdienst Abschied von den 23 Opfern des Transrapid-Unglücks. Die Diskussion um die Sicherheit der Magnetschwebebahn verstummt indes nicht. Kanzlerin und Verkehrsminister wollen an der Technologie festhalten.
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Lathen - Neben den Angehörigen werden auch Bundespräsident Horst Köhler und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee sowie der Ministerpräsident von Niedersachsen, Christian Wulff, zu der ökumenischen Gedenkfeier in Lathen erwartet.

Den Gottesdienst in der St. Vitus-Kirche sollen Landessuperintendentin Doris Janssen-Reschke für die evangelische und Bischof Franz-Josef Bode für die katholische Kirche halten. Wulff wird vor den 600 Trauergästen eine Ansprache halten.

Der Streit über die Sicherheit des Transrapids geht auch am heutigen Gedenktag weiter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält an der Magnetschwebebahn fest. "Wenn sich erhärtet, dass menschliches Versagen die Ursache des Unglücks war, führt dies nicht zum Aus der Technologie der Magnetschwebebahn", sagte sie der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse".



Tiefensee warnte vor vorschnellen Urteilen über die Sicherheit des Transrapids. "Gegner des Transrapid nutzen das schreckliche Unglück, um die Technologie schlecht zu reden. Wir wissen aber noch nicht, was genau den Unfall im Emsland ausgelöst hat", sagte er der Zeitung "Die Welt". Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es "keinen Grund, den Transrapid zu verteufeln". Es müsse abgewartet werden, ob nach dem Abschluss der Untersuchungen die Technologie im Ganzen infrage gestellt werden müsse.

Zuvor hatte der Geschäftsführer der Transrapid-Betreibergesellschaft IAGB, Rudolf Schwarz, erklärt, in Lathen sei bewusst auf zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen verzichtet worden.

Dem vor ein bis zwei Jahren geäußerten Wunsch der Lathener Mitarbeiter, auch die Sonderfahrzeuge in ein integriertes Sicherheitskonzept einzubeziehen, sei nicht gefolgt worden. Es sei derzeit nicht klar, wer zum fraglichen Zeitpunkt Inhaber der Betriebserlaubnis für die Teststrecke gewesen sei. Die jetzige Betreibergesellschaft habe damals nur ein Vorschlagsrecht gehabt.

Den Verantwortlichen für die Versuchsanlage drohen auch Entschädigungsklagen von Opfern und Angehörigen, die eine Berliner Kanzlei eingeschaltet haben. Es sei unklar, warum auf der Strecke heute mögliche Sicherheitsvorkehrungen nicht eingesetzt wurden, sagte Rechtsanwalt Walter Bergmann. Seine Kanzlei vertritt nach eigenen Angaben mehrere Geschädigte des Unglücks. Die Anwälte wollen parallel zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eigene Untersuchungen anstrengen.

Auf dem Spendenkonto für die Hinterbliebenen des Transrapid-Unglücks gingen nach Angaben des Landkreises Emsland bis Dienstag rund 200.000 Euro ein. Zu den größten Spendern gehöre neben den Konzernen RWE und ThyssenKrupp sowie der Betreibergesellschaft IABG auch der Landkreis selbst, sagte Kreissprecher Dieter Sturm. Es hätten aber auch viele Privatpersonen Geld eingezahlt.

dab/dpa/AP