Transrapid-Unglück Staatsanwaltschaft beschuldigt Leitstellen-Mitarbeiter
Lingen - Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück ist auf den Tonbändern des Funkverkehrs zu hören, wie der Werkstattwagen nach Absprache zum späteren Unfallort fuhr und dort auf weitere Anweisungen wartete. Das habe der Leitstand etwa 20 bis 25 Minuten vor dem Unfall am 22. September an den Transrapid gemeldet.
Anschließend habe der Leitstand die Anweisung zum Losfahren an den Transrapid gegeben. Nach dem Aufprall sei die Frage zu hören: "Was ist passiert?" Daraufhin sei aus dem Leitstand geantwortet worden: "Es ist vergessen worden, das Sonderfahrzeug von der Strecke wegzurangieren." Gegen die beiden Mitarbeiter werde wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung ermittelt. Die beiden Beschuldigten konnten bisher noch nicht vernommen werden, sie erlitten bei dem Unfall einen Schock.
Laut Staatsanwaltschaft würde auch gegen den Lokführer ermittelt werden, wenn er den Zusammenstoß überlebt hätte, da er den Zug eigenhändig gestartet und weitere technische Handlungen vorgenommen habe. Er habe sich zweifelsfrei im vorderen Fahrstand befunden. Warum er trotz guter Sichtverhältnisse das 60 Tonnen schwere Fahrzeug auf der Strecke nicht gesehen habe, sei nicht mehr zu ermitteln. Der Mann galt als erfahrener Zugführer.
Die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hatte bereits in den vergangenen Tagen alle Vorwürfe zurückgewiesen, sie trage als Genehmigungsbehörde eine Mitschuld am dem Unglück. Allein der Betreiber der Anlage trage die Verantwortung für die Einhaltung der Betriebsvorschriften. Die Mitnahme von Fahrgästen im Versuchsbetrieb sei dem Betreiber nur erlaubt, "wenn sie ohne Risiko möglich ist". Die Landesbehörde sei zudem nur für die Genehmigung der Betriebsvorschriften zuständig, nicht aber Aufsichtsbehörde über die Anlage. Eine solche Aufsicht sei im Versuchsanlagengesetz nicht vorgesehen.
Von den zehn überlebenden Verletzten sind inzwischen neun aus dem Krankenhaus entlassen worden. Insgesamt waren 23 Menschen bei dem Zusammenstoß des Transrapid-Zuges mit einem Werkstattwagen auf der Teststrecke im Emsland ums Leben gekommen. Die Magnetschwebebahn war mit einer Geschwindigkeit von bis zu 179 Stundenkilometern in den Arbeitswagen gerast.
jjc/AP/AFP