Trauer in Spanien: "Sie haben auch mich getötet" - DER SPIEGEL
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Trauer in Spanien "Sie haben auch mich getötet"

Auf den Schienen stehen die ausgebombten Züge. Sicherheitskräfte haben die Waggons, in denen mehr als 190 Menschen starben, mit Planen abgedeckt. Die Madrilenen versuchen, das Unfassbare zu verstehen: Warum nur mussten so viele unschuldige Menschen sterben?
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Madrid - Bahnmitarbeiter sind dabei, die Oberleitungen zu reparieren, der Verkehr soll so schnell wie möglich wieder komplett aufgenommen werden. Einige Züge rollen bereits wieder. Doch dort, wo sich normalerweise Tausende Menschen drängen, herrscht am Tag nach den grausamen Anschlägen Leere. In den Fenstern der Loks hängen Trauerschleifen, die wenigen Passagiere an Bord schweigen, den Blick aus dem Fenster, wo die gigantischen Wracks stehen, vermeiden die meisten.

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Trauer in Spanien: "Sie haben auch mich getötet"

Foto: AFP

Passanten haben am Atocha-Bahnhof Blumen abgelegt, Kerzen brennen, weinende Menschen nehmen sich in die Arme. Eine junge Frau, die wie jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit den Zug genommen hat, schluchzt. Ihr Make-up zerrinnt unter Tränen. Beileidsbekundungen und Briefe an die Toten liegen auf dem Fußboden. "Heute haben sie auch mich und alle Spanier getötet", steht da zu lesen. Daneben liegt ein Bild der Jungfrau Maria.

Listen der Verletzten werden im Internet veröffentlicht, wer liegt in welchem Krankenhaus? Freunde und Verwandte können sich so informieren. Mehr als 1000 Namen sind aufgeführt. Eine Liste der Toten existiert noch nicht. Inzwischen liegt die Zahl der Todesopfer bei 198, 50 Menschen sollen noch immer in akuter Lebensgefahr schweben.

Rundfunk und Zeitungen riefen die Spanier auf, an den für heute Abend im ganzen Land geplanten Demonstrationen gegen den Terror teilzunehmen. Zu den Kundgebungen hatten die Regierung und die demokratischen Parteien aufgerufen. Bereits gestern hatten sich landesweit Zehntausende Menschen an Trauermärschen beteiligt. Allein in der baskischen Hauptstadt Vitoria wurden 30.000 Menschen gezählt.

Aber auch in den baskischen Metropolen Bilbao und San Sebastián sowie in Madrid, Barcelona oder Valencia wurde der Opfer gedacht. Die Regierung in Madrid hatte eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.