Trockenes Europa: Hoffen auf ein bisschen Regen - DER SPIEGEL
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Trockenes Europa Hoffen auf ein bisschen Regen

In ganz Europa hat es im April kaum geregnet - Waldbrände drohen, die Landwirtschaft ächzt unter der anhaltenden Trockenheit. Wenn es nicht bald regnet, seien Existenzen bedroht, warnen Bauernvertreter. Nun wird es zwar kühler - aber auf Feuchtigkeit muss man weiter warten.
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Hamburg - Während die meisten das schöne, wenn auch inzwischen etwas kühlere Wetter in Deutschland nach wie vor genießen, werden Feuerwehren und Landwirte zunehmend nervös. Den ersten größeren Waldbrand des Jahres mussten gestern die Feuerwehrleute des Landkreises Anhalt-Zerbst bekämpfen. 12 freiwillige Feuerwehren waren im Einsatz, den bis auf zehn Hektar angewachsenen Brand unter Kontrolle zu bringen. Ein Hubschrauber der Polizei wurde angefordert, um Wasser abzuwerfen. Auch heute sind noch Einsatzkräfte vor Ort, um Glutnester zu überwachen, die wieder aufflammen könnten.

Wie groß die Gefahr tatsächlich ist, zeigt die vermutete Brandursache: Ausgelöst wurde das Feuer laut Polizei möglicherweise durch die überhitzten Bremsen eines Güterzuges. In ganz Sachsen-Anhalt gilt, wie auch in anderen Bundesländern, vielerorts die höchste Waldbrand-Warnstufe. Schon ab Stufe 4 darf niemand mehr die Waldwege verlassen - in manchen Gegenden gilt aber auch schon Stufe 5.

Am härtesten trifft die Trockenheit die Landwirte. Schon drohen Missernten bei Sommergerste, beim Weizen und bei Zuckerrüben. Sogar die Bierpreise könnten durch die gefährdete Gerste auf längere Sicht ansteigen. Weil es auch in Ländern wie Italien und Spanien viel zu trocken ist, werden womöglich auch Obst und Gemüse noch teurer. Schon wird viel Grünes zu rekordverdächtigen Preisen verkauft. Ein Sprecher des Landesbauernverbandes Brandenburg sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", bis zu drei Viertel der landwirtschaftlich genutzen Flächen könnten mancherorts ausfallen: "Jetzt sind viele Existenzen bedroht."

Im Rest Europas sieht es nicht besser aus. In Italien hat die Regierung schon im Laufe der Woche den "Wassernotstand" ausgerufen, außerdem droht aufgrund niedriger Pegelstände in der Umgebung von Wasserkraftwerken auch noch Energieknappheit. In der Schweiz herrscht mancherorts wegen der Brandgefahr absolutes Feuerverbot – wer sich eine Zigarette anzündet, macht sich schon strafbar.

Besserung ist momentan nicht in Sicht. Hoch "Silvia" schwächt sich zwar zum Monatswechsel etwas ab: "Mit dem vorgezogenen Frühsommer ist es wohl vorbei, eine Umstellung zu mehr Wolken und Regenschauern deutet sich aber erst gegen Ende der Woche - und auch da nur für den Süden - an", sagte Meteorologe Michael Beisenherz vom Wetterdienst Meteomedia. Auch in den kommenden Tagen wird es demnach zunächst sonnig bleiben.

cis/dpa/AP/ddp