Tsunami: "Es war ein unglaublicher Anblick" - DER SPIEGEL
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Tsunami "Es war ein unglaublicher Anblick"

Der 39-jährige Deutsche Hendrik Meyer-Ohle aus Osnabrück hat das Beben in Kata auf der Ferieninsel Phuket erlebt. Aus sicherer Entfernung beobachtete er zusammen mit seiner Familie das schreckliche Schauspiel - ohne wirklich zu ahnen, welche Katastrophe sich gerade vor seinen Augen abspielte.
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Kata - Um acht Uhr morgens spürte Meyer-Ohle, seine 41 Jahre alte Frau und seine 7- und 16-jährigen Söhne, wie die Erde zitterte. Für Meyer-Ohle kein Grund, in Panik zu geraten: Er hatte fünf Jahre lang im Erdbebenland Japan gelebt. "Wir haben das Beben zwar als sehr lang empfunden, länger als alles, was wir in fünf Jahren in Japan erlebt haben, andererseits aber auch als nur sehr schwach. Wir haben uns deshalb keine weiteren Sorgen gemacht."

Es war ein schöner, sonniger Tag. Die Familie verließ ihre Pension und machte sich auf den Weg zum Meer. Genau in dem Moment, in dem die Deutschen am Strand ankamen, rollte die erste Flutwelle auf die Küste zu: "Das war weniger eine riesige Welle als ein starkes Auflaufen des Wassers, das den ganzen Strand unter Wasser gesetzt hat", berichtet Meyer-Ohle gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Eine Frau, die vom Strand kam, sagte, dass das Meer sich einige Minuten vor dem Eintreffen weit zurückgezogen hätte." Die Familie ahnte die Gefahr und eilte zu ihrem Auto zurück. Am Vortag waren sie zu einem Aussichtspunkt auf einem Berg gefahren, und an diesen Ort fuhren sie nun. Zusammen mit zahlreichen anderen Geflücheten wurden sie dort Augenzeugen, wie die Flutwellen unter einem perfekten, blauen Himmel in die drei malerischen Buchten von Kata Noi, Kata, und Karon hineinrollten.

Vater Meyer stand am Aussichtspunkt und drückte den Auslöser seiner Kamera. Vor dem Auflaufen der zweiten Welle zog sich das Wasser vom Strand zurück und legte Hunderte von Metern Sand frei, bis schließlich die ganze Bucht wie ausgetrocknet da lag. Was Meyer-Ohle da fotografierte, sah faszinierend, aber gar nicht so gefährlich aus: "Es war ein unglaublicher Anblick. Wir dachten 'Hoffentlich ertrinkt da jetzt nicht noch einer.'" Daran, dass anderswo derselbe Tsunami Tausende von Menschen tötete, ahnte in diesem Augenblick kaum einer der Zuschauer des Spektakels. Zu friedlich wirkte dieses Hochschwappen des Meeres vor der paradiesischen Tropenkulisse.

Erst Stunden später verließ die Familie ihren Zufluchtsort. Lange hatten sie ausgeharrt, ob nicht noch weitere Beben oder Wellen kämen. Als alles ruhig blieb, kehrten sie nach Kata zurück. Der geschützt gelegene Ort war weitgehend unversehrt geblieben. Das wahre Ausmaß der Katastrophe blieb den Einwohnern und Gästen lange verborgen. "Am nächsten Morgen haben einige schon wieder begonnen, den Strand aufzuräumen. Und am Nachmittag lagen sogar schon wieder einige Besucher in ihren Liegestühlen", sagt Meyer-Ohle.

Erst einen Tag nach der Katastrophe bekamen die Feriengäste eine Ahnung, wovon sie verschont geblieben waren. Meyer-Ohle erinnert sich an eine unwirkliche Szene: "Als wir die Nachrichten erfuhren, saßen wir in einem klimatisierten Raum, wir hatten zu Essen und zu Trinken. Über die Berichterstattung haben wir uns anfangs sehr gewundert."

Doch als klar wurde, welche furchtbare Gewalt über die ganze Region hereingebrochen war, stand Meyer-Ohles Entscheidung fest: Die Familie brach ihren Urlaub ab. Was für ein Glück die Familie hatte, kann Meyer-Ohle drei Tage nach der Katastrophe einfach nicht fassen: "Wir denken immer noch darüber nach, was passiert wäre, wenn wir nur ein paar Minuten früher am Strand eingetroffen wären oder länger dageblieben wären."

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