Türkei: Berlinerin wegen Drogenschmuggels verurteilt - DER SPIEGEL
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Türkei Berlinerin wegen Drogenschmuggels verurteilt

Weil sie Drogen geschmuggelt hat, muss die 18-jährige Berlinerin Andrea sechs Jahre und drei Monate in türkischen Gefängnissen absitzen. Ihr Anwalt sagte: "Das ist ein mildes Urteil."
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Izmir - Sie wurde außerdem zu einer Geldstrafe von knapp 200 Millionen Lira (rund 380 Mark) verurteilt. Die junge Deutsche nahm das Urteil gefasst auf. "Das ist ein mildes Urteil", sagte Andreas Anwalt Ülkü Caner. Normalerweise müssen Verurteilte in der Türkei nur ein Drittel der Strafe absitzen. "Daher könnte sie in zwei Jahren wieder zu Hause sein", meinte Caner. Andrea war im Januar - nur wenige Tage nach ihrem 18. Geburtstag - am Adnan Menderes Flughafen in Izmir mit sechs Kilogramm Heroin gefasst worden. Davon waren über drei Kilo reines Heroin.

Die Richter des Staatssicherheitsgerichtes (DGM) in Izmir verurteilten Andrea eigentlich zu 15 Jahren Haft. Da die junge Frau nach ihrer Festnahme aber mit der Polizei zusammen gearbeitet, ihre Tat bereut und sich während der Verhandlung gut verhalten habe, wurde die Haftstrafe auf sechs Jahre und drei Monate reduziert. Damit blieben die Richter am unteren Rand des von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaßes. Die Anklage hatte zwischen sechs und 15 Jahren gefordert. Die Verteidigung, die davon überzeugt ist, dass Andrea das Opfer einer Freundin wurde, hatte auf Freispruch plädiert. Noch ist nicht entschieden, ob der Anwalt Berufung einlegen wird. Vertreter des deutschen Konsulates und Andreas Eltern waren bei der Urteilsverkündung anwesend. Die Eltern können Andrea voraussichtlich in den kommenden Tagen besuchen.

Verurteilte beschuldigt Freundin

Schon zum Prozessauftakt hatte Andrea jede Schuld von sich gewiesen und eine Freundin beschuldigt, mit der sie in die Türkei gekommen war. Die Freundin habe ihr erzählt, dass sie mit Reisen Geld verdienen könnten. "Ich hatte Vertrauen zu ihr", hatte Andrea vor Gericht erklärt. In einem Brief aus dem Gefängnis schrieb sie: "Ich bin von einer Freundin missbraucht worden, indem man in der Tasche in einem Geheimversteck Heroin versteckt hat." Nach dem ersten großen Schock hat sich die junge Frau offenbar mit ihrer schlimmen Lage abgefunden: "Es war nicht mein Wunsch, hier rein zu kommen, aber einen Fehler muss man berichtigen."

Ihre Gefängnisstrafe wird die Berlinerin bis auf weiteres im Buca- Gefängnis in Izmir absitzen. Dort ist Andrea mit 40 bis 45 Frauen in einer Gemeinschaftszelle untergebracht. Inzwischen hat sie etwas Türkisch gelernt und sich mit einigen Mithäftlingen angefreundet. "Ich bin froh, wenn ich hier heil und gesund und fröhlich wieder rauskomme", schrieb sie mit wackeligen Buchstaben in dem Brief. Möglicherweise kann Andrea auch einen Teil der Strafe in Deutschland absitzen. "Ob sie das will, muss Andrea später entscheiden", sagte Caner. Immer wieder hatte die junge Frau betont, dass sie froh sei, in der Türkei gefasst worden zu sein und nicht in einem Land, in dem ihr die Todesstrafe gedroht hätte. Und so bedankte sich Andrea vor Gericht noch einmal: "Danke, dass sie mich davor bewahrt haben, in eine Drogenbande zu geraten."