Türkei: Erneut Tote bei Zugunglück - DER SPIEGEL
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Türkei Erneut Tote bei Zugunglück

Drei Tage nach dem schweren Zugunglück in der Türkei mit 37 Toten hat sich heute auf einem Bahnübergang im Westen des Landes ein weiterer schwerer Unfall ereignet. Über ein Dutzend Menschen kamen ums Leben, als ein Zug gegen einen Kleinbus prallte.
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Weitere sechs Menschen wurden nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu verletzt. Dem Sender CNN-Turk zufolge befanden sich alle Opfer in dem Kleinbus. Die Ursache des Unglücks in der Provinz Aydin war zunächst nicht bekannt.

Deutsche Experten untersuchten unterdessen den Ort des Unfalls vom Donnerstagabend. Ein Sprecher der türkischen Bahn teilte mit, auch andere Länder seien zur Entsendung von Fachleuten gebeten worden, um eine unabhängige Untersuchung der Unglücksursache zu garantieren. Drei Mitglieder des Zugpersonals wurden inzwischen verhaftet und der fahrlässigen Tötung beschuldigt. Zugleich wurde aber Kritik an Bahn und Regierung laut, weil sie mit dem Betrieb eines Hochgeschwindigkeitszugs auf veralteten Gleisen Unfallrisiken in Kauf genommen habe.

Die türkische Zeitung "Radikal" zitierte in ihrer Sonntagsausgabe einen Staatsanwalt mit den Worten, die Ermittlungen müssten nicht auf den Zugchef und die beiden Lokführer begrenzt bleiben, gegen die bereits Vorwürfe erhoben wurden. "Es könnte auch die Behörden erreichen", wurde der Staatsanwalt zitiert.

Die Ursache des Zugunglücks ist umstritten. Die Behörden beschuldigten die drei Mitglieder des Zugpersonals wegen einer deutlichen Tempo-Überschreitung der Fahrlässigkeit, Gewerkschaften verwiesen auf das veraltete Schienensystem, das für Hochgeschwindigkeitszüge wie dem verunglückten nicht geeignet sei. Verkehrsminister Binali Yildirim und Bahnchef Süleyman Karaman sollten zurücktreten. Bei dem Entgleisen des Zuges am Donnerstag waren 37 Menschen umgekommen und 81 verletzt worden.

Nach Bahnangaben war der Zug in dem Streckenabschnitt bei einem Dorf auf halbem Weg zwischen Istanbul und Ankara mehr als 40 Kilometer schneller unterwegs als erlaubt. Der Zugchef und zwei Lokführer würden deshalb der fahrlässigen Tötung beschuldigt. Karaman verwies auf eine Bahnstudie, der zufolge in der Woche vor dem Unglück kein anderer Zug die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 Kilometer die Stunde ignoriert habe.

Der Chef einer Eisenbahnergewerkschaft, Yavuz Zegerek, warf der Regierung dagegen vor, die Verantwortung auf die untersten in der Hierarchie abzuladen. "Sie beschuldigen das Personal und verweisen darauf, dass kein hohes Tempo am Unfallort erlaubt war", sagte er. Es sei aber nicht möglich, "die Strecke in fünf Stunden zu schaffen, ohne die bestehenden Regeln zu ignorieren". Der Anwalt der drei beschuldigten Bahnmitarbeiter, Ismail Gürses, sagte Anadolu, Behörden hätten diese Geschwindigkeitsüberschreitung angeordnet.

Der Schnellzug Istanbul-Ankara war ein Prestige-Objekt der Regierung und von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Monat persönlich eingeweiht worden. Experten hatten da schon auf die veraltete Infrastruktur verwiesen und Sicherheitsbedenken vorgebracht. Erdogan und Yildirim wiesen Rücktrittsforderungen zurück. Türkische Zeitungen warfen am Samstag Behörden und Regierung vor, von den Ursachen des tödlichen Unglücks abzulenken.

In der Provinz Adana entgleisten am Samstag vier Waggons eines Güterzuges. Dabei wurde niemand verletzt.

Suzan Fraser, AP