Tumor: Mukarim Emil verliert doch ein Auge - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Tumor Mukarim Emil verliert doch ein Auge

Die Hoffnungen der Ärzte haben sich nicht erfüllt. Dem 18 Monate alte Mukarim Emil muss nun doch das rechte Auge entfernt werden. Die Eltern des Kindes waren vor rund einem Jahr nach Zypern geflohen, um eine Operation zu verhindern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Augsburg/Essen - Die Operation des von Tumoren befallenen Auges solle am Donnerstag in Essen erfolgen, sagte der Vormund des Kindes, Rechtsanwalt Franz Glier, am Mittwoch in Augsburg.

Das Schicksal des Kleinen hatte vor rund einem Jahr für Schlagzeilen gesorgt. Seine Eltern gehören der islamischen Naksbendi-Sekte an und waren im Februar 1999 zum Oberhaupt nach Zypern geflüchtet. Einer Behandlung ihres schon damals kranken Kindes widersetzten sie sich aus Glaubensgründen. Später waren sie zwar zurückgekommen, hatten aber im April eine Therapie abgebrochen und waren erneut im Ausland untergetaucht. Anfang Oktober wurden sie im Libanon gefasst und nach Deutschland gebracht.

Nun wurde bekannt, dass der Krebs noch immer besteht. "Die Tumore sind weiter aktiv", sagte Glier. Da die Gefahr von Metastasen bestünde, hätten die Ärzte dazu geraten, das fast blinde Auge nun zu entfernen. "Wir haben uns daraufhin mit den Eltern und der Großmutter beraten und noch eine zweite fachliche Meinung eingeholt", sagte der Vormund. Die Großmutter sei mit dem Kind vergangene Woche zu einem Spezialisten nach London geflogen, der das Kind unter Narkose untersucht habe. Er habe die Diagnose der Essener Ärzte bestätigt. "Nachdem wir auch ausgeschlossen haben, dass es in Amerika eine Behandlungsalternative gibt, haben wir uns zu der Entscheidung durchgerungen.

"Jetzt sind die Eltern mit der Operation einverstanden", betont Glier. Die Mutter von Mukarim ist im siebten Monat schwanger. Nach ihrer Rückkehr aus dem Libanon waren die Eltern im November vergangenen Jahres vom Augsburger Amtsgericht wegen Verletzung der Fürsorgepflicht und der Entziehung Minderjähriger in zwei schweren Fällen zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Inzwischen bemühen sie sich nach Auskunft von Glier wieder um das Sorgerecht.