Tunnel-Inferno 30 Deutsche unter den Toten?
Wien - Die Bergungsmannschaften könnten wegen der starken Rauchentwicklung, wegen mutmaßlich giftiger Dämpfe und noch nicht ausreichender Absicherung des Unglückszuges nicht zum Unfallort vordringen, berichtete der Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger. Daher gebe es auch noch keinen Zeitplan, wann die Bergung beginnen kann.
Das Gletscherbahn-Unglück haben elf Deutsche überlebt. Alle kämen aus Bayern, teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin mit. Entsprechende Informationen hätten die von dem Ministerium an die Unglücksstelle entsandten Konsularbeamten inzwischen als gesicherte Erkenntnis gemeldet. Die Angehörigen aller elf Geretteter seien inzwischen informiert. Wie viele Deutsche sich unter den rund 170 Opfern der Katastrophe befinden, konnte die Sprecherin noch nicht sagen.
Informationen aus Bayern, es seien etwa 30 Wintersportler aus diesem Bundesland ums Leben gekommen, konnte das Innenministerium in München am Sonntagvormittag noch nicht endgültig bestätigen. Dazu müsse man erst die Bergung und Identifizierung der Opfer abwarten, sagte der Sprecher des Ministeriums, Christoph Hillenbrand. Und die könnten erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Nach den bisher vorliegenden Informationen, die sich unter anderem auf Vermisstenmeldungen und Anrufe von Angehörigen stützen, wäre die genannte Größenordnung aber "nicht überraschend", fügte er hinzu.
Beim eigens eingerichteten Infotelefon der bayerischen Polizei für die Angehörigen auf dem Münchner Flughafen sind inzwischen weit über 1000 Anrufe eingegangen. Die dafür geschaltete Telefonnummer 089/97620 bleibe weiter besetzt. Der Ministeriumssprecher appellierte an Anrufer, die inzwischen erlösende Nachricht von ihren Angehörigen aus der Krisenregion erhalten haben, sich noch einmal zu melden. Auch Entwarnungen erleichterten die Arbeit der Polizei erheblich, sagte Hillenbrand zur Begründung.
Am Samstagabend gab es erste Vermutungen zur Unglücksursache. Ein Mitarbeiter der Gletscherbahnen berichtete, in der Standseilbahn sei immer wieder Treibstoff transportiert worden. Das würde nach Darstellung von Brandfachleuten das rasendschnelle Ausbreiten des Feuers erklären. Medienberichten zufolge könnte auch mitgebrachtes Feuerwerk der zumeist jungen Urlauber, die ein Snowboard-Event am Gipfel besuchen wollten, den Brand begünstigt haben.
Der österreichische Maschinenbau-Ingenieur Klaus Eisenkolb spekulierte, dass möglicherweise zwei nicht verschlossene Tore am Anfang und am Ende des Bahntunnels das Flammeninferno begünstigt hätten. Durch die geöffneten Tore habe sich vermutlich ein "Kamineffekt" ergeben, der eine regelrechte Feuerwalze ausgelöst habe.