Tunnel-Inferno: 42 deutsche Todesopfer - DER SPIEGEL
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Tunnel-Inferno 42 deutsche Todesopfer

Einen Tag nach der Katastrophe am Kitzsteinhorn soll jetzt mit der Bergung der rund 170 Leichen begonnen werden. Unter den bislang identifizierten 155 Opfern sind 42 Deutsche.
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Wien/Kaprun/München - Die Namen der Opfer könnten noch nicht bekannt gegeben werden, weil man sich nur zu 90 Prozent sicher über ihre Identität sei, sagte der Salzburger Landeshauptmann (Ministerpräsident) Franz Schausberger. Neben den 42 Deutschen sind unter den Toten auch 52 Österreicher, 17 Japaner und acht Amerikaner. Nach neuesten Erkenntnissen konnten sogar zwölf Menschen der Flammenhölle im Tunnel entkommen, nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind elf von ihnen Deutsche.

Eine Bergung der Leichen aus der ausgebrannten Standseilbahn war bislang noch nicht möglich. Der nach wie vor starke Rauch und mögliche giftige Dämpfe behinderten die Bergungsmannschaften. Außerdem sei der Unglückszug noch nicht ausreichend abgesichert und könnte ins Tal stürzen.

Das Inferno war am Samstagmorgen kurz nach 9 Uhr ausgebrochen. Der mit gut 180 Wintersportlern vollbesetzte Zug der Standseilbahn war 600 Meter nach der Einfahrt in den 3,2 Kilometer langen, schmalen Tunnel in Brand geraten. Das Feuer im hinteren Teil des Wagens breitete sich rasend schnell aus. Der Fahrer konnte gerade noch den Brand melden, danach brach der Kontakt ab. Den giftigen Rauchschwaden vielen sogar noch in der drei Kilometer entfernten Bergstation drei Menschen zum Opfer.

Unglücksursache weiter unklar

Die Ursache der Katastrophe war auch am Sonntagvormittag noch völlig unklar. Spekulationen über den Auslöser des Feuers reichten von Feuerwerkskörpern, die zu einem auf dem Gipfel geplanten Snowboard-Fest mitgenommen wurden, bis hin zu Treibstoff, der mit der Bahn transportiert worden sein könnte. Die erst 1994 in Dienst genommenen Züge bestünden selbst zumeist aus nichtbrennbaren Materialien, erläuterten Experten. Fachleute der Österreichischen Eisenbahnen (ÖBB) kamen nach Kaprun und wollen das Unglück rekonstruieren.

Der österreichische Maschinenbau-Ingenieur Klaus Eisenkolb, der die Unglücksbahn wiederholt untersucht hat, spekulierte, dass möglicherweise zwei nicht verschlossene Tore am Anfang und am Ende des Bahntunnels die Ausbreitung des Feuers begünstigten. Durch die offenen Tore habe sich vermutlich ein "Kamineffekt" ergeben, der eine regelrechte Feuerwalze ausgelöst habe.

Gentechnische Untersuchungen

Bei der Identifizierung der Toten helfen rund 40 Gerichtsmediziner aus ganz Österreich. Doch sind viele Leichen vermutlich stark verkohlt. Deshalb werden möglicherweise erst gentechnische Untersuchungen Klarheit verschaffen.

Für besorgte Angehörige von Winterurlaubern wurden zahlreiche Notrufnummern eingerichtet. Der österreichische Fernsehsender ORF stellte unter der Adresse www.orf.at  eine Liste der Urlauber ins Internet, die gesund in ihre Unterkünfte zurückkehrten. Den Angehörigen vor Ort versuchen zahlreiche Psychologen zu helfen, mit dem Unfassbaren fertig zu werden.

Aus aller Welt trafen bis Sonntag Beileidsbekundungen in Österreich ein. Darunter waren Telegramme von Russlands Präsident Wladimir Putin, des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac und des EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi. Bereits am Samstag hatten Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Außenminister Joschka Fischer (Grüne) ihr Entsetzen über das Unglück ausgedrückt. Österreich hat eine zweitägige Staatstrauer angeordnet. Das Ganzjahres-Skigebiet am Kitzsteinhorn im Salzburger Land soll mindestens bis Freitag geschlossen bleiben.