Dutzende Tote: Flugzeugcrash in Petrosawodsk
Tupolew-Crash in Russland Kinder überleben Flugzeugabsturz
Moskau - Die Straße ist mit Trümmern übersät, ausgebrannte Wrackteile liegen dicht an kleinen Wohnhäusern: Viel ist nicht geblieben von der Tupolew Tu-134, die gegen 22.30 Uhr in Moskau gestartet war - und die in der Nacht im Nordwesten Russlands zerschellte. Dennoch haben acht Menschen den Crash überlebt, bei sieben von ihnen sei der Zustand ernst, sagte eine Sprecherin des russischen Katastrophenministeriums.
Zu den Überlebenden zählen ein neunjähriger Junge und seine 14-jährige Schwester. Sie seien bewusstlos, hätten schwere Verbrennungen und andere Verletzungen erlitten, sagte ein Mitarbeiter des Katastrophenschutzministeriums der Nachrichten-Website lifenews.ru. "Der Zustand des Jungen ist lebensbedrohlich, er hat sehr viel Blut verloren", so eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Er sei nicht transportfähig, man werde sich vor Ort in Petrosawodsk um ihn kümmern.
Zum Schicksal der Mutter der Kinder gibt es unterschiedliche Angaben. Eine Sprecherin des Katastrophenschutzministeriums sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Frau gehöre zu den 44 Menschen, die bei dem Unglück ums Leben kamen. Laut dpa meldete die russische Agentur Itar-Tass jedoch unter Berufung auf Behörden, die Mutter habe überlebt.
Zu den Opfern zählt laut Auswärtigem Amt entgegen ersten Angaben auch ein Deutscher. Der Mann habe sowohl einen deutschen als auch einen russischen Pass, sagte eine Sprecherin. Nach Informationen der Nachrichtenagentur "Ria Nowosti" ist vermutlich auch der russische Fifa-Schiedsrichter Wladimir Pettai ums Leben gekommen. Der Referee stünde auf der Passagierliste, hieß es, doch auf der Liste der acht Überlebenden tauche sein Name nicht auf.
"Es wird schwer werden, die Opfer zu identifizieren", sagte Schamsutdin Dagirow, der Leiter des regionalen Katastrophenministeriums. Bei elf Personen sei dies möglich, bei allen anderen könne nur eine DNA-Analyse Gewissheit bringen. Der Chef des Transportministeriums, Igor Lewitin, sagte ein Treffen in St. Petersburg ab und flog unverzüglich zum Unglücksort in Karelien.
Die Passagiermaschine zerschellte auf einer Straße bei einem Wohnviertel - rund zwei Kilometer von der Landebahn entfernt. Es sei ein Wunder, dass in der Nähe der Gebäude niemand verletzt worden sei, sagte ein Mitglied der Rettungskräfte.
Der Flugschreiber wurde sichergestellt
Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte schlechtes Wetter. Ersten Meldungen zufolge hatten Hochleistungsstrahler, die bei Nebel zusätzlich zur Landebahnbeleuchtung angeschaltet werden müssen, nicht funktioniert. Dies dementierte jedoch das Transportministerium: "Solche Probleme gab es nicht", sagte ein Sprecher.
Die Ursachen des Unglücks seien noch vollkommen unklar, hieß es bei der Untersuchungskommission. Man ermittle in alle Richtungen. Sowohl menschliches Versagen, als auch technische Probleme oder die schwierigen Wetterbedingungen könnten zu dem Unfall geführt haben. Derzeit werden die Trümmerteile im Umkreis von 300 Metern um das Wrack geborgen. Der Flugschreiber und die Aufzeichnungen der Gespräche zwischen Cockpit und Tower seien bereits sichergestellt worden, so die Ermittler.
Etwa hundert Angehörige sind derzeit auf dem Weg nach Petrosawodsk. Die Führung Kareliens hat beschlossen, den Hinterbliebenen finanziell unter die Arme zu greifen. Demnach sollen die Familien der Opfer eine Million Rubel (knapp 25.000 Euro) erhalten, die Verletzten 500.000 Rubel (etwa 12.500 Euro).