Turbulentes Wetter Es wird ungemütlich
Frankfurt am Main - Schwere Unwetter ereigneten sich heute vor allem in Baden-Württemberg, Thüringen, Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Doch nicht nur Deutschland ist betroffen: Nach einem heftigen Unwetter über Großbritannien mussten an Europas größtem Flughafen in London Heathrow fast 150 Flüge gestrichen werden. Im Nordwesten Pakistans sind bei einem Unwetter mindestens 50 Menschen von Blitzen getötet worden.
In Großbritannien haben Wolkenbrüche und Gewitter am Abend vielerorts den Verkehr lahmgelegt. Neben dem Flughafen Heathrow stellte auch die Londoner U-Bahn den Verkehr weitgehend ein: 25 Bahnhöfe wurden nach Angaben eines Sprechers wegen Überflutung geschlossen. Die Eisenbahngesellschaft First Great Western riet Reisenden, nicht den Zug zu nehmen. Auch nach Ende des Regens werde es massive Verspätungen geben, sagte ein Sprecher. In vielen Häusern in England und Wales liefen die Keller voll.
In Deutschland ist bei heftigen Regenfällen in Baden-Württemberg großer Sachschaden entstanden. Plötzlich einsetzender Regen überflutete in Bad Wimpfen Teile der Altstadt zeitweise um mehr als einen Meter. Durch die Wassermassen wurden mindestens drei Fahrzeuge mitgerissen und gegen Gebäude gedrückt. Außerdem wurden 13 Keller und 3 Garagen überflutet.
Auch in Nordrhein-Westfalen hat eine Gewitterfront einige Schäden angerichtet. Im Sauerland setzten Blitze einen Dachstuhl in Schmallenberg und eine Schutzhütte in Sundern in Brand. In den Kreisen Recklinghausen, Borken und Coesfeld musste die Feuerwehr überflutete Straßen und Keller leer pumpen und umgestürzte Bäume beseitigen. Betroffen war auch die Autobahn 43 bei Dülmen.
In Bayreuth blieb von dem starken Regen gestern auch das berühmte Festspielhaus auf dem Grünen Hügel nicht verschont. Wenige Tage vor Beginn der Richard-Wagner-Festspiele drang Wasser durch die offenen Türen auf den Steinfußboden ins Foyer des Gebäudes. Ein größerer Schaden sei aber nicht entstanden, sagte Festspielsprecher Peter Emmerich. Das Wasser lief zwar auch in die Kantine und ein Probenzimmer. Die Instrumente wurden aber rechtzeitig ins Trockene gebracht. Die Eröffnung der Opern-Festspiele am kommenden Mittwoch ist den Veranstaltern zufolge nicht gefährdet.
Laut Polizei wurden in Bayreuth viele Keller überflutet. Das Wasser sei auch in die unteren Räume einer Klinik eingedrungen, in denen zahlreiche teure Geräte untergebracht gewesen seien, sagte ein Sprecher. Etwa 50 Autos wurden von umstürzenden Bäumen beschädigt. Im Oberallgäu im Raum Forggensee wüteten ebenfalls Unwetter. Dort wurden bei einem Hagelschauer mit teils Tischtennisball großen Körnern 500 Fahrzeuge beschädigt.
In Aachen beschädigte ein Blitzschlag die elektronische Schließanlage der Haftzellen im Aachener Polizeipräsidium. Eine Flucht von Inhaftierten sei aber ausgeschlossen gewesen, berichtete die Polizei.
Turbulente Mischung in Deutschland
Deutschland steht auch in den kommenden Tagen eine turbulente Wettermischung bevor. Nach der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes wird es die Sonne am Wochenende in vielen Teilen des Landes schwer haben. In den kommenden Tagen gibt es das beste Wetter noch morgen: Zwar regnet es im Nordosten anfangs noch kräftig. Sonst ist es wechselnd bewölkt, im Süden gibt es nur einzelne Gewitter.
Im Nordwesten sind örtlich Schauer möglich. Es wird merklich kühler als in den vergangenen Tagen: Die Höchsttemperatur liegt im Westen und Norden zwischen 19 und 25 Grad, im Osten und Süden werden 24 bis 29 Grad erreicht. Am Sonntag bleibt es wechselhaft, und vor allem im Süden und Osten fällt schauerartiger Regen, der kräftig und von Gewittern begleitet sein kann. Nur im Westen sind größere Auflockerungen zu erwarten. Mit Maximalwerten bis 26 Grad wird es nicht mehr so warm wie bisher. In Küstennähe werden 20 Grad kaum überschritten.
Zum Wochenbeginn hält das ungemütliche Wetter an. Am Montag ist es wechselnd bewölkt mit einzelnen Schauern. Im Süden und Südosten zeigt sich der Sommer von seiner ungemütlichen Seite: Dort kommen starke Gewitter mit örtlichem Starkregen auf, auch Unwetter sind möglich. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 20 bis 25 Grad, im Süden liegen die Höchstwerte um 26 Grad. In Gewitternähe sind Sturmböen möglich.
Ab Dienstag soll sich das Wetter beruhigen und sich vor allem in der Mitte und im Süden freundlicher werden. Hitzeempfindliche Menschen können aufatmen: Die Temperaturen steigen auch tagsüber nicht über 25 Grad.
ffr/AP