TV-Interview Osthoff hat immer noch Todesangst
Hamburg - Nach Angaben der Redaktion der ARD-Talkshow "Beckmann" hat sich Osthoff nur für kurze Zeit in Deutschland aufgehalten. "Aus Sicherheitsgründen" sei das Interview mit ihr bereits am Samstag aufgezeichnet worden. Die Archäologin sagte darin unter anderem, für sie gebe es keinen Alltag. Sie wechsle "alle zwei Tage" ihren Standort "und das Land". Während ihrer 24-tägigen Geiselhaft habe sie ununterbrochen Todesangst gespürt, die bis heute anhalte. "Es ist für mich bis heute gefährlich", sagte sie in dem Gespräch.
"Ich war ständig unter Lebensgefahr. Die Umstände waren unkontrollierbar. Am schlimmsten waren die Transporte im Kofferraum ins Ungewisse. Währenddessen habe ich mich tot gestellt. Ich hatte nur noch Todesvisionen", so die Archäologin über die Wochen in Geiselhaft.
Osthoff wies Medienberichte zurück, laut denen sie im Irak gelegentlich für den Bundesnachrichtendienst gearbeitet haben sein soll. "Wenn ich für den BND gearbeitet hätte, hätte ich meine 540 Euro Miete regelmäßig zahlen können. Dazu war ich nicht in der Lage. Das Ganze erübrigt sich damit. Wenn ich ein Informant gewesen wäre, dann würde ich heute nicht mehr leben, dann hätten mich die Entführer umgebracht", sagte sie.
Gleichzeitig bestätigte die ehemalige Geisel, dass sie Mitarbeitern der deutschen Botschaft in Bagdad manchmal Hinweise auf drohende Gefahren oder auf die Lage in bestimmten Gebieten gegeben habe. Dies sei "in einem Krisen- und Kriegsgebiet wie dem Irak unter Landsleuten absolut selbstverständlich". Die Botschaftsmitarbeiter hätten sich ihr gegenüber aber "nicht als BND-Mitarbeiter zu erkennen gegeben, sondern als Diplomaten".
Dass Meldungen über ihre angebliche BND-Tätigkeit gestreut würden, hält sie für "unverantwortlich und gefährlich", denn dies könne für die betroffene Person "das Todesurteil bedeuten".
Die Archäologin äußerte in dem Interview Kritik an der Arbeit des deutschen Krisenstabs. Ihrer Ansicht nach wäre es möglich gewesen, bereits früher frei zu kommen. "Ich weiß, dass man einen Mittelsmann in der ersten Woche hätte bestellen können. Diesen Kontakt hat jede Auslandsvertretung." Nur die Deutschen hätten diesen Mittelsmann wohl nicht gekannt.
Trotzdem bedankte sie sich ausdrücklich beim Krisenstab und bei allen, die zur Beendigung der Geiselnahme beigetragen haben: "Ich bin jedem dankbar, der sich für mich engagiert hat und für mich seine Zeit geopfert hat. Ich konnte nicht wissen, dass in den Kirchen Kerzen für mich angezündet worden sind. Ich musste schauen, dass ich überlebe und körperlich durchhalte."
Das Interview wird am Montag um 22.45 Uhr ausgestrahlt.