TV-Kuppelshows RTL und Sat.1 hören auf
Berlin - "Eine Show dieser Art wird es bei RTL nicht mehr geben", sagte RTL-Chef Gerhard Zeiler dem "Stern". Er räumte ein, dass man besser hätte aufpassen müssen: Die Produktionsfirma habe nicht genug recherchiert. "Natürlich ist das peinlich", sagte Zeiler. "Wir müssen jetzt eine Zeit lang mit der Häme leben." Die Glaubwürdigkeit des Senders hält er dennoch nicht für beschädigt. "Eine Show ist missglückt, na und? Aber es ist doch niemand ernstlich zu Schaden gekommen."
In der Sendung "Ich heirate einen Millionär" hatten sich 45 Kandidatinnen darum beworben, einen unbekannten angeblichen Millionär heiraten zu dürfen. Zwei Tage nach der Sendung hatte RTL jedoch einräumen müssen, dass sich der vermeintliche Millionär und seine Braut schon vor der Sendung kannten. Ihren von RTL bezahlten Urlaub zum Kennenlernen in Florida mussten die beiden daraufhin abbrechen. RTL entschuldigte sich bei den Kandidatinnen und den Zuschauern.
Spekulationen, der angebliche Millionär sei keiner, hatte der Sender jedoch zurückgewiesen. Es liege ein Gutachten einer Steuerberatungsgesellschaft vor, aus dem eindeutig hervorgehe, dass er über ein Vermögen in Millionenhöhe verfüge, hatte RTL mitgeteilt.
Der frühere RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma sagte unterdessen der Illustrierten "Bunte", es sei "völlig unerheblich", ob sich das Paar schon vorher gekannt habe. "Tatsache ist, dass es ein Erfolg war, und das zählt."
Sat.1-Sprecher Dieter Zurstraßen sagte, sein Sender habe von vornherein nicht geplant, die Sendung "Wer heiratet den Millionär?" fortzusetzen. Die Panne bei RTL habe bei der Entscheidung von Sat.1 keine Rolle gespielt, die eigene Millionärs-Show nicht fortzusetzen. Das Sende-Konzept sei stets auf eine einmalige Show ausgerichtet gewesen. "Man kann nicht Millionäre in Reihe verheiraten", sagte Zurstraßen.