U-Bahn-Inferno: Geringes Risiko in Deutschland - DER SPIEGEL
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U-Bahn-Inferno Geringes Risiko in Deutschland

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Brandkatastrophen wie in Südkorea sind nach Einschätzung von Experten auch in deutschen U-Bahn-Tunneln möglich, aber unwahrscheinlich. Hohe Sicherheitsanforderungen haben die Bahnen im Alltagsbetrieb zu einem sehr zuverlässigen Verkehrsmittel gemacht. Nach Angaben des Vizepräsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), Berlins Landesbranddirektor Albrecht Broemme, sind die Feuerwehren mit spezieller Ausrüstung und Einsatzplänen auf Brände in U-Bahnanlagen vorbereitet.

Bei jeder Feuermeldung in einer U-Bahnanlage werde ein Großaufgebot von Rettungskräften in Marsch gesetzt, sagte Broemme. Dass es bei Bränden in U-Bahnen Tote und Verletzte geben könne, sei aber grundsätzlich nicht auszuschließen. Ähnlich äußerte sich der TÜV-Geschäftsführer für Bahntechnik, Herbert Jansen. Die in deutschen Bahnen verwendeten Materialien seien kaum entflammbar, die Brandschutz-Standards entsprächen denen der Luftfahrt.

"Unsere Tunnel sind keine Todesfallen", sagte auch ein Sprecher der Hannoverschen Verkehrsbetriebe, Üstra AG. Ziel sei es, bei einem Brand nie im Tunnel stehen zu bleiben. Selbst wenn die Notbremse gezogen werde, dürfe die Bahn generell nicht anhalten, sondern müsse bis zur nächsten Station fahren, betonte ein Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt. Ähnliche Vorschriften gelten in Stuttgart. In Nürnberg werden - ebenso wie in den meisten anderen Städten - die Notfallpläne in regelmäßigen Abständen mit Großübungen simuliert.

In Hamburg sind nach Angaben eines Sprechers alle 796 Wagen der drei U-Bahn-Linien mit Sprinkleranlagen, Feuerlöschern und Brand hemmenden Materialien ausgestattet. Rudolf Büssem, Sachverständiger für Feuerlöschanlagen, hält Sprinkleranlagen für eine besonders gute Maßnahme zum vorbeugenden Brandschutz: "Auch die U-Bahnen in Madrid und Athen sind damit ausgerüstet."

Für Sprinkleranlagen spricht sich auch Dietmar Hosser, Professor für Brandschutz an der Technischen Universität Braunschweig, aus. "Die Wagen sind meist mit viel Kunststoff und Polstern ausgestattet, die dem Feuer viel Nahrung geben", sagte er. Bei einem Tunnelbrand entwickelten sich schnell Temperaturen über 1000 Grad. Bereits bei etwa 500 Grad schmelze eine aus leichtem Aluminium bestehende Karosserie. Die Tunnelsituation erschwere den Rettungskräften zudem eine schnelle Brandbekämpfung.

Ideal wären für alle Bahnen in Tunnelstrecken nach Ansicht des Düsseldorfer Oberbrandrats Ulrich Cimolino Doppelwandtunnel mit getrennten Verkehrswegen, Fahrzeuge mit schwer entflammbaren oder nicht brennbaren Materialien und automatische Löschanlagen.