U-Bahn-Unglück: "Der Aufprall war brutal" - DER SPIEGEL
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U-Bahn-Unglück "Der Aufprall war brutal"

Bei einem schweren U-Bahn-Unglück im Zentrum Roms ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Die Angaben über die Zahl der Verletzten gehen stark auseinander, die Rede ist von 60 bis 200 Opfern. Möglicherweise hat ein Fahrer ein Haltesignal übersehen.
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Rom - Das Unglück geschah um 9.35 Uhr: In der zentralen Station Piazza Vittorio Emanuele II prallte eine U-Bahn auf einen stehenden Zug. Augenzeugen berichteten von einem "brutalen Aufprall". "Etwa 30 Sekunden lang herrschte Panik. Niemand sagte uns, wie wir aus dem Wagen herauskommen konnten", berichtet ein Passagier später. "Es gab einen furchtbaren Knall", erinnert sich ein anderer Fahrgast. "Als ich die Augen wieder öffnete waren überall Verletzte und Blut und viele weinten."

Der Zug der Linie A schob sich nach Angaben eines Sprechers der römischen Feuerwehr zwei bis drei Meter tief in den stehenden Zug. Schockierte und zum Teil mit Blut überströmte Fahrgäste wurden von Einsatzkräften ins Freie geführt. Sanitäter errichteten vor der U-Bahn-Station ein Feldlazarett zur Ersten Hilfe für die leichter Verletzten. Weitere Opfer wurden in sechs Krankenhäuser in der Umgebung des Unglücksorts gebracht.

Die Angaben zur Zahl der Opfer gehen noch immer stark auseinander. Ein Polizeisprecher gab an, bei dem Zusammenstoß sei eine 30-jährige Frau ums Leben gekommen. Berichte, wonach auch der Fahrer eines Zuges bei dem Unfall getötet wurde, dementierte der Sprecher. Laut Feuerwehr wurden 101 Menschen verletzt, fünf davon schwer. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hingegen von zwei Toten und bis zu 60 Verletzten. Italienische Fernsehstationen sprachen von bis zu 200 Verletzten.

Die Ursache des Unglücks ist noch immer unklar

Den Behörden zufolge deutete nichts auf einen terroristischen Hintergrund hin. Eine andere Augenzeugin berichtete dem Fernsehsender Sky Italia, die Menschen in dem Zug hätten zuerst an einen Terroranschlag gedacht. "Später wurde uns allerdings klar, dass es sich um ein Unglück handelt." Nach ersten Augenzeugenberichten soll der Fahrer ein Signal übersehen haben. Möglicherweise war aber auch ein Stromausfall die Ursache des Unfalls. "Ich sah ein rotes Warnsignal. Doch wir fuhren sehr schnell in den Bahnhof ein", sagte ein Augenzeuge im italienischen Fernsehen. Andere sagten, nach dem Zusammenstoß seien Deckenbalken der Station eingestürzt und die Lichter ausgegangen.

Auch Stunden nach dem Unfall sucht die Feuerwehr noch immer nach Menschen, die in den Wracks eingeschlossen sein könnten.

Am abgesperrten Unglücksort versammelten sich zahlreiche Schaulustige hinter den Absperrgittern der Polizei. Die U-Bahn-Linie A in der italienischen Metropole wurde zeitweise komplett stillgelegt.

Bürgermeister Walter Veltroni lobte, dass es den Rettungskräften in kürzester Zeit gelungen sei, die eingeklemmten Passagiere aus den Waggons zu befreien. Alle Notfallsysteme hätten perfekt funktioniert, und die Türen seien automatisch aufgegangen. Deshalb gelang es vielen Fahrgästen, trotz Verletzungen aus eigener Kraft die Züge zu verlassen. Die bei dem Unglück ums Leben gekommene Frau und viele der Schwerverletzten sollen im letzten Wagen des stehenden Zuges gesessen haben.

Rom verfügt über zwei Metro-Linien (A und B), die sich in der Stazione Termini im Zentrum kreuzen. Erst heute hat die Zeitung "La Repubblica" einen Artikel über die schlechte Sicherheitssituation der römischen U-Bahn veröffentlicht. Unter dem Titel "SOS Metropolitana" beklagt darin ein Experte, dass die Züge größtenteils seit 25 Jahren nicht mehr eingehend kontrolliert wurden. " Wir raten dringend, die zehn Züge der Linie A überprüfen zu lassen", heißt es da. Zuletzt sei es immer häufiger zu technischen Schäden und Ausfällen gekommen.

Mit Betroffenheit reagierte die Leitung des Filmfestivals in Rom auf das Unglück. Alle Vorführungen am Dienstag sollten mit einer Schweigeminute beginnen. Aus Mitgefühl mit den Opfern wurden alle Partys am Rande des Festivals abgesagt.

han/AP/dpa/Reuters/AFP