Überlebende Hunderttausende von Krankheit bedroht
Jakarta - Nach Einschätzung der Gesundheitsbehörden sind allein im Norden der indonesischen Insel Sumatra hunderttausende Überlebende von Krankheiten bedroht. In der besonders schwer getroffenen Provinz Aceh würden zehntausende weitere Helfer benötigt, um die Gesundheitsgefahren durch verwesende Leichen einzudämmen, hieß es von offizieller Seite. Nachdem die Zahl der bestätigten Fluttoten in Aceh auf mehr als 45 000 geklettert ist, befürchten die Behörden weiter steigende Opferzahlen. Tausende Menschen galten zunächst noch als vermisst. Hunderttausende Einwohner wurden obdachlos.
Rettungsmannschaften aus aller Welt haben vier Tage nach der Flut weiter nach Überlebenden gesucht. Die internationalen Hilfseinsätze wurden intensiviert. Lebensmittel und Medikamente wurden ins Katastrophengebiet geliefert. In mehreren Gegenden wurde eine groß angelegte Impfaktion gestartet, um Epidemien zu verhindern. Die Industriestaaten sagten rund 200 Millionen Euro Soforthilfe zu. Kanada stockte seinen Anteil auf umgerechnet 24,3 Millionen Euro auf.
Ein Schwerpunkt des deutschen Hilfseinsatzes war der Süden Thailands, in dessen Touristengebieten auch tausende Deutsche von der Flutkatastrophe betroffen waren. Die Rettungskräfte, die mit mehr als 13.000 thailändischen Helfern zusammenarbeiteten, konzentrierten sich heute vor allem auf einen 30 Kilometer langen Küstenabschnitt in der Provinz Phang Nga nördlich der beliebten Ferieninsel Phuket. In Thailand wurden bislang rund 2000 Leichen geborgen, die Behörden rechneten jedoch mit etwa 3000 weiteren Todesopfern.
Auch deutsche Urlauber kamen in Thailand ums Leben. Von den dort vermissten Ausländern machten die Schweden mit rund 1500 die größte Gruppe aus. Ein ohne Eltern aufgefundenes schwedisches Kleinkind konnte am Mittwoch wieder mit seinem Vater vereint worden. Der zweijährige Junge war am Sonntag in ein Krankenhaus von Phuket gebracht worden. Sein Foto wurde ins Internet gestellt und dort von einem Onkel in Göteborg entdeckt. Dieser sorgte dafür, dass der Junge seinen Vater wieder fand. Die Mutter gilt vorerst weiterhin als vermisst.
Zur genaueren Bestimmung des Ausmaßes der Flutkatastrophe setzt das US-Verteidigungsministerium seine Spionagesatelliten ein. Damit soll die Koordination der Hilfsmaßnahmen erleichtert werden, wie die militärische Geheimdienstabteilung für Erdvermessungen in Washington mitteilte. Mit den Satellitenbildern könne gezielt Aufschluss über die Zerstörung von Infrastruktureinrichtungen wie Straßen, Brücken, Flughäfen und Seehäfen gewonnen werden. Auf dieser Basis könnten dann Prioritäten für die Hilfseinsätze festgelegt werden.
Die USA entsandten einen Flugzeugträgerverband in die Krisenregion. Rund 20.000 Soldaten sollen helfen, Verletzte zu versorgen und die nötige Logistik für andere Hilfsorganisationen aufbauen.
Die Bundesregierung will sich für eine internationale Geberkonferenz zur Finanzierung des Wiederaufbaus nach der Flutkatastrophe einsetzen. Sie sollte in absehbarer Zeit stattfinden, sagte Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul der "Berliner Zeitung". Zum Finanzbedarf sagte sie, es gehe mit Sicherheit um Milliarden. Die SPD-Politikerin setzte sich zudem für eine noch großzügigere Schuldenregelung ein, als sie Bundeskanzler Schröder bereits versprochen hatte - neben Indonesien und Somalia auch für Sri Lanka.