Überschwemmungen Immer mehr Tote
Sitten/Aosta - Besonders schwer betroffen ist der Schweizer Kanton Wallis. Die Polizei vermutet, dass 13 Menschen unter einer Schlammlawine begraben sind, die am Samstag ein Drittel des 200 Einwohner zählenden Grenzdorfs Gondo auf der Südseite des Simplonpasses zerstörte. Das erste Schweizer Todesopfer wurde am Sonntagabend im Unterwallis geborgen. Es handelt sich nach Angaben der Kantonspolizei um eine Frau, deren Auto auf der Passstraße des Großen St. Bernhards oberhalb von Martigny von einem Erdrutsch erfasst worden war.
Die Behörden im Wallis ordneten Evakuierungen an. Große Teile des Kantons waren auf dem Landweg kaum noch zu erreichen, viele Straßen, Pässe und Bahnlinien waren gesperrt. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Die Bewohner von Gondo wurden in einem Nachbarort untergebracht. In Neubrück bei Stalden riss ein Erdrutsch vier Häuser mit, zwei Personen wurden danach vermisst. Ein Haus wurde in Mörel weggerissen.
Die Rhone trat an mehreren Stellen über die Ufer. Bei Porte du Scex ergoss sich eine Rekordmenge von 1.400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Genfer See. Die Zufahrten zum Großen St.-Bernhard-Tunnel und die Pässe Simplon, Furka, Nufenen und Großer St. Gotthard wurden gesperrt. Hochwasser herrschte auch im Tessin und im Berner Oberland. In Locarno wurden eine Klinik und ein Hotel evakuiert, weil der Lago Maggiore über die Ufer trat. Auch der Comer See floss über. In Italien sind ebenfalls viele Orte von der Umwelt abgeschnitten. Im Aostatal und in der Region Piemont wurden mindestens 3000 Menschen evakuiert. Ein dutzend Hubschrauber waren am Sonntag zur Evakuierung bedrohter Einwohner von Piemont eingesetzt. Bei Turin wurde ein siebenjähriges Mädchen vom Fluss Stura mitgerissen. Auch ein 15-Jähriger wurde in der Gegend ertrunken aufgefunden. Turin selbst ist praktisch nicht mehr erreichbar.
Ein 85-Jähriger ertrank in der Stadt Aosta in einem vollgelaufenen Keller. Im Dorf Fenis im Aostatal starben nach Angaben des Rettungsdienstes drei Personen bei Erdrutschen, zwei wurden vermisst. Straßen und Bahnlinien in der Region waren unbenutzbar.
Im nordwestitalienischen Hafen Savona wurden drei Seeleute von ihrem Schiff gespült. Zunächst wurde nur einer tot geborgen.