Ukraine: 81 Tote nach Grubenunglück - DER SPIEGEL
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Ukraine 81 Tote nach Grubenunglück

Nach einer Explosion im Barakowa-Bergwerk bei Kransnodon konnten 81 Arbeiter nur noch tot geborgen werden.
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Kiew - Wie das Ministerium für Katastrophenschutz mitteilte, konnten sich bei dem Unglück am Samstag 200 Arbeiter in Sicherheit bringen. Sieben erlitten Verletzungen, wie es weiter hieß. Präsident Leonid Kutschma und Ministerpräsident Viktor Juschenko verschoben Besuche in Polen und den USA.

Nach vorläufigen Ermittlungen ging der Unfall in 664 Metern Tiefe auf eine Missachtung der Sicherheitsvorschrften zurück. Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich 277 Kumpel unter Tage. Mehrere Minister kamen nach Krasnodon, rund 850 Kilometer östlich von Kiew, um die Hinterbliebenen zu besuchen und den Ort der Katastrophe zu besichtigen. Bundesaußenminister Joschka Fischer kondolierte seinem ukrainischen Kollegen Boris Tarasjuk und sprach ihm von ganzem Herzen sein Beileid zu dem Unglück aus.

Präsident Kutschma hatte zuletzt vor kriminellen Machenschaften im Kohlesektor gewarnt. Gewissenlose Direktoren wirtschafteten in die eigene Tasche, sagte der Präsident im vergangenen Juni auf einer Kundgebung in der Nähe des Unglücksschachtes Barakow. Die von der jüngsten Katastrophe betroffene Schachtanlage zählte bislang zu den weniger gefährlichen Bergwerken und ist im Besitz einer Staatsholding.

Im ukrainischen Bergbau sind schwere Unfälle mit mehreren Dutzend Toten keine Seltenheit. Allein im Jahr 1999 starben insgesamt 297 Bergleute. Im Jahr zuvor hattte es 360 Todesfälle unter Tage gegeben. Der Donbass, eines der größten Kohlenreviere der Welt, dreht sich in einem Teufelskreis. Es fehlt an Reformen, Geld und alternativen Arbeitsplätzen. Die ausstehenden Löhne belaufen sich nach Agenturberichten auf etwa 2,5 Milliarden Griwna (umgerechnet 900 Millionen Mark).

In den meisten ukrainischen Kohleschächten herrschen für Westeuropäer unvorstellbare Zustände. In den maroden Anlagen brechen Stollen ein und Gaseintritte bleiben unbemerkt. Bergleute ersticken unter Tage, weil die Ventilatoren ausfallen.

Für eine Million Tonnen Kohle lassen im Schnitt fünf Bergleute ihr Leben. Das ist nach Medienangaben trauriger Rekord in Europa. Bei dem bislang schwersten Grubenunglück auf ukrainischem Gebiet waren 1980 noch zu Zeiten der Sowjetunion auch etwa 80 Arbeiter ums Leben gekommen, ganz genau ließ sich die Zahl damals nicht feststellen.