Klüger werden mit: Ulf Poschardt
SPIEGEL: Trotz seines Mythos hassen viele Menschen den Sportwagen. Warum?
Poschardt: Weil ihnen die Demut vor der Schönheit und vor den Leistungen der Ingenieure fehlt. Für die meisten Menschen sind Sportwagen unmoralische Verführer. Es nervt sie, auf der Autobahn von einem Auto weggeblinkt zu werden, das 22 Liter verbraucht. Ich kann das verstehen.
SPIEGEL: Trotzdem haben Sie gerade ein philosophisches Buch »Über Sportwagen« geschrieben. Zu viele Gedanken um nichts?
Poschardt: Auf den ersten Blick ist dieses Buch, wie wohl viele philosophische Überlegungen, überflüssig. Aber für mich ist der Sportwagen ein ebenso exotisches wie signifikantes Symbol für den Zustand unserer Welt: Er ist schnell, gefährlich, wird verehrt und gleichzeitig weiß jeder, dass das Rasen krank machen kann. Wir lieben an unserer Zivilisation gerade das, was uns möglicherweise zerstört.
SPIEGEL: Was hat Sportwagen-Fahren mit Erotik zu tun?
Poschardt: Es gibt natürlich das Klischee des alten Mannes, der über seinen Porsche eine Frau nach der anderen erobern will. Darum ging es mir nicht. Für mich ist das Sportwagen-Fahren die modernste Form des Umherirrens. Viele Menschen fliehen vor sich und anderen. Der Sportwagen macht aus diesem Fliehen und Irren eine Raserei. Dahinter steckt die romantische Suche nach Erlösung.
SPIEGEL: Haben Sie schon einmal einen Menschen gewonnen oder verloren wegen Ihrer Leidenschaft?
Poschardt: Weder noch. Ich fahre seit elf Jahren Sportwagen, meistens wurde ich von meiner Umwelt wie ein Kranker behandelt. Wenn man vernünftig scheint, ist eine kleine Unvernunft für viele ein beunruhigender Makel. Eine Frau zu finden, die auf dem Beifahrersitz bei Tempo 300 lacht, ist schwer. Es gibt sie aber.