Umwelt: Heilige Flüsse werden zu Kloaken - DER SPIEGEL
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Umwelt Heilige Flüsse werden zu Kloaken

Heiligkeit hat mit Reinheit zu tun. Doch bei rituellen Waschungen in den heiligen Flüssen Indiens läuft der Pilger eher Gefahr, sich zu infizieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Neu Delhi - Der Yamuna etwa, einer der heiligen Flüsse Indiens, wird durch die Abwässer der Hauptstadt Neu Delhi in eine Kloake verwandelt. Das wurde nun gar richterlich festgestellt. Das höchste Gericht Indiens hat die Behörden wegen der unhygienischen Verhältnisse angeprangert und die Stadtregierung angewiesen, dafür zu sorgen, dass in zwei Jahren keine unbehandelten Abwässer mehr in den Yamuna gelangen. Die Richter nannten dafür vor allem gesundheitliche Gründe: Aus dem Fluss und den umliegenden Grundwasserreservoirs wird das Trinkwasser für die 15-Millionen-Stadt gewonnen.

Die Richter kritisierten, dass 25 große Abwasserkanäle direkt in den Yamuna münden. Der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt auf null, nachdem es die Hauptstadt erreicht. Abwässer fließen in Delhi durch oberirdische Kanäle. Der Gestank ist in den Sommermonaten kaum zu ertragen. An den Rändern der Kanäle leben Hunderttausende Menschen in Hüttensiedlungen. Das Leitungswasser in Delhi, das Erreger von Magen-Darm-Krankheiten enthält, gilt als Gesundheitsrisiko, ebenso wie Wassermelonen, die in der Nähe des Yamuna wachsen.

Auch der Ganges, Indiens heiligster Fluss, in den der Yamuna mündet, ist extrem verschmutzt. Experten schätzen, dass 80 Prozent der Belastungen in indischen Flüssen aus nicht behandelten Abwässern der Wohngebiete resultieren.