"Undramatisch" Sarah war im Saarland
Mainz - Was in den fünf Tagen Ende Januar geschehen ist: Auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Mainz hatte der Vater das Baby seinem zehn Jahre älteren Bruder übergeben, der es nach Völklingen im Saarland in die Wohnung eines befreundeten Libanesen brachte. Bei der Übergabe des Kindes auf dem Parkplatz war die 19 Jahre alte Mutter nicht anwesend gewesen. Sie hatte erst kurz darauf das Verschwinden ihres Kindes bemerkt und die Polizei alarmiert. Daraufhin war eine bundesweite Fahndung eingeleitet worden.
In der Zwischenzeit war das Baby in der Völklinger Wohnung des 36 Jahre alten Libanesen und seiner Frau, einer Türkin, versorgt worden. Auch die Frau des Onkels von Baby Sarah wusste laut Polizei von der Tat. Sie wurde am Mittwoch wie die Frau des Libanesen festgenommen, aber wieder auf freien Fuß gesetzt.
Der Libanese blieb in Polizeigewahrsam. Ihm war, so die Ermittler, angesichts der Fahndungsaktion der Polizei das Geschehen "über den Kopf gewachsen". Unter diesem Druck hatte er das Baby nach fünf Tagen in Dellfeld bei Zweibrücken vor einem Haus abgesetzt, wo es unversehrt geborgen wurde.
Kurz darauf waren Sarahs Vater und sein Bruder festgenommen worden. Sie sitzen wegen des dringenden Tatverdachts der Geiselnahme, der Kindesentziehung und der Nötigung in Untersuchungshaft. Beide bestreiten weiterhin die Tat.
Das Motiv für die Entführung ist nach Angaben der Ermittler noch weitgehend im Dunkeln. Nach Informationen des Südwestrundfunks hatte die Familie des Mannes der Frau das Kind wegnehmen wollen, weil sie es nicht nach den Regeln des Islam erziehe. Die in Deutschland geborene Mutter des Kindes, die aus einer syrischen Familie stammt, sei offenbar zu keinem Zeitpunkt eingeweiht gewesen, berichtete die Polizei.
Insgesamt, so resümierte der leitende Mainzer Oberstaatsanwalt, Klaus Puderbach, sei das Geschehen "wesentlich undramatischer gewesen, als es sich zunächst dargestellt" habe.