Tauchboot »Titan«
Foto:OceanGate Expeditions / dpa
Die letzte Tauchfahrt der »Titan« beginnt morgens gegen acht Uhr Ortszeit. An Bord des Mini-U-Boots sind fünf Menschen, drei Touristen, ein Tiefseeforscher sowie als Steuermann Stockton Rush, der Chef und Gründer der Betreiberfirma OceanGate. Ihr Ziel ist das legendäre Wrack der »Titanic«, das rund 700 Kilometer vor der Küste Neufundlands in rund 3800 Meter Tiefe auf dem Meeresboden liegt. Normalerweise dauert der Tauchgang wenige Stunden.
Nach 105 Minuten verliert das kanadische Begleitschiff »Polar Prince« den Kontakt zum U-Boot. Die US-Küstenwache reagiert rasch, startet gemeinsam mit kanadischen Kräften eine groß angelegte Suche, an der schon bald rund um den Globus Millionen Menschen Anteil nehmen. Klar ist, dass der Sauerstoffvorrat an Bord der »Titan« nur für 96 Stunden reichen würde. Beinahe live verfolgt die Weltöffentlichkeit das Schicksal des kleinen Tauchboots – Fotos, Namen, Lebensläufe und Vermögen der Verschollenen werden zur Nachrichtenware. Hoffnung keimt auf, als Suchteams alle 30 Minuten ein Klopfen aus der Tiefe vernehmen. Doch dann finden sie Trümmerteile in der Nähe der »Titanic«, die darauf hindeuten, dass der Rumpf des U-Bootes dem enormen Wasserdruck nicht standgehalten hat und implodiert ist.
Was bleibt, ist die Frage, wie es eigentlich sein konnte, dass OceanGate Menschen in ein nicht zertifiziertes und experimentelles Tauchboot setzte. Fachleute monieren, dass die Betreiber der 6,70 Meter langen und 10,4 Tonnen schweren »Titan« anerkannte Standards umgangen und Warnungen missachtet hätten. OceanGate-Gründer Rush, dessen Frau von Passagieren der »Titanic« abstammte, hatte keine Sicherheitsbedenken. »Ich denke nicht, dass es sehr gefährlich ist«, sagte er in einem Interview ein Jahr zuvor. »Wenn Sie nur sicher sein wollen, bleiben Sie im Bett.«