Unglücksbahn Alle Opfer sind geborgen
Wien/Kaprun - Der Leiter der polizeilichen Ermittlungen, Franz Lang, teilte mit, dass alle Leichen aus dem Stollen geborgen worden seien. Die Behörden seien nun davon überzeugt, dass die endgültige Opferzahl des Unglücks bei 155 liege.
Die bisher mit 156 angegebene Zahl der Toten habe sich um eine Person verringert, weil sich der Fall eines als vermisst geltenden US-Bürgers geklärt habe. 152 Tote seien in dem Tunnel gefunden worden; auf der Bergstation waren drei Menschen an Rauchvergiftung gestorben.
Die sterblichen Überreste werden zur Identifizierung in das gerichtsmedizinische Institut nach Salzburg geflogen. Dort sollen sie von österreichischen, deutschen und amerikanischen Experten an Hand von Gebiss- und DNS-Untersuchungen identifiziert werden. Diese Arbeit kann Wochen in Anspruch nehmen.
Im Tunnel arbeiten zehn technische Experten, die zum Teil aus dem Ausland stammen, an der Erforschung der Unglücksursachen. Wann diese Ermittlungen abgeschlossen sein werden, konnte Lang nicht sagen. Ermittlungen gegen einzelne Personen - etwa die Betreiber der Gletscherbahn - gebe es bislang nicht, betonte er. Konkrete Untersuchungsergebnisse nannte Lang nicht.
Auf den Gleisen vor dem Tunnel war eine ölige Substanz sichergestellt worden, die von dem verunglückten Zug stammen könnte. Entgegen den früheren Ankündigungen werde chemische Analyse dieser Schmierstoffe noch länger dauern, berichtete Kripo-Chef Lang.
Vermutungen, die Flüssigkeit sei durch ein defektes Bremslicht entflammt worden, erteilten die Hersteller der Bahnelektrik eine Absage. Es habe gar kein Bremslicht an dem Unglückszug gegeben.
Das Fahrgestell der Gletscherbahn war nach Angaben der Herstellerfirma bereits 26 Jahre alt. Es war damit so alt wie die 1974 in Betrieb genommene Bahn. Lediglich der Wagenaufbau sei 1994 ausgetauscht worden, sagte der Sprecher der Lieferfirma Swoboda,Walter Sehnahl.
Die Haftpflichtversicherung der Kapruner Gletscherbahn kann nach der Brandkatastrophe bis zu 360 Millionen Schilling (rund 51 Millionen Mark) zur Erfüllung von Schadenersatzansprüchen bereit stellen. Das berichtete die Generali-Versicherung in Wien.