Unglücksfrachter "MSC Napoli": Hunderte Strandräuber fallen über Ladung her - DER SPIEGEL
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Unglücksfrachter "MSC Napoli" Hunderte Strandräuber fallen über Ladung her

Motorräder, edle Weine, Parfüm, Nobelkarossen: Die Ladung des im Ärmelkanal havarierten Frachters "MSC Napoli" ist wertvoll - und zum Teil über Bord gegangen. Hunderte Plünderer haben sich schon am vermeintlichen Strandgut bedient. Die Polizei ist ihnen auf den Fersen.
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Hamburg - Die angespülten Waren haben nach Angaben von SkyNews einen Wert von vielen tausend Euro. Wie viele Gegenstände bereits abhanden gekommen sind, ist laut Polizei noch unklar. Die Beamten teilen unter den noch anwesenden Schaulustigen Formulare aus, auf denen jeder angeben soll, ob und was er mitgenommen hat. Dazu wurden zusätzliche Kräfte aus anderen Landesteilen abgezogen.

Insgesamt hatte der Frachter 2394 Container geladen, von denen bereits 200 über Bord gegangen sind. Drei Container enthalten den Angaben zufolge giftige Substanzen, darunter Schwefelsäure und andere Chemikalien.

Einige Behälter treiben noch im Wasser, die meisten jedoch wurden angespült. Nach Angaben von "Times Online" befinden sich darin Autos, BMW-Motorräder, Ersatzteile, Airbags, Wein, Kleidung und Haushaltsgeräte. Auch ein Traktor wurde angespült. Mindestens zwei Container sind vermutlich vor Ankunft der Ordnungshüter geöffnet worden. In einem davon befinden sich angeblich vier Luxuskarossen von Mercedes.

Ein Polizeisprecher sagte, die Menschen hätten sich "Souvenirs" vom Strand mitgenommen. Auf besonderes Interesse stießen Weinfässer und Parfümflakons, im Prinzip hätten die Leute aber alles mitgehen lassen, was ihnen in die Hände gefallen sei. Aus Sicherheitsgründen wurde der Strand inzwischen gesperrt.

"Unser Hauptaugenmerk liegt auf der öffentlichen Sicherheit", sagte ein Polizeisprecher. Die umhertreibenden Container seien eine Gefahr, und außerdem wisse niemand genau, was sich in den Behältern befindet. "Was die rechtliche Seite betrifft, müssen wir uns an das Schifffahrtsgesetz halten", sagte er. Laut SkyNews dürfen Güter von havarierten Schiffen weder unterschlagen noch behalten werden. Verlange der Besitzer die Fracht zurück, müsse sie herausgegeben werden. Das besage das britische Handelsschifffahrtsgesetz von 1995. Die Besitzverhältnisse klärt später eine dafür zuständige Behörde.

Die "MSC Napoli" war am Donnerstag im Ärmelkanal inmitten des Sturmwetters in Seenot geraten und leck geschlagen. Die Besatzung konnte mit Hubschraubern gerettet werden. Um zu verhindern, dass der 275 Meter lange Frachter komplett sinkt, hatten die Rettungskräfte ihn am Samstag rund eine Meile vor dem südenglischen Küstenort Sidmouth auf Grund gesetzt. Wie lange das Schiff Wind, Wetter und Meeresbewegungen noch standhält, ist allerdings völlig offen. Ein Unwetter, das für heute angekündigt ist, könnte die "MSC Napoli" endgültig auseinanderbrechen lassen.

Grund für das Unglück könnten schlampige Reparaturarbeiten gewesen sein. An dem Frachter waren nach Angaben von "Times Online" umfangreiche Reparaturarbeiten nötig, nachdem es 2001 in Südostasien mit voller Fahrt auf ein Korallenriff gekracht war. Das 1991 gebaute Schiff wurde den Angaben zufolge in Vietnam repariert. Damals lief es noch unter dem Namen "CMA CGM Normandie". Der Unfall ereignete sich in der Straße von Malakka, der Hauptverbindung zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean. Der Frachter saß 60 Tage lang auf dem Riff fest. Wie stark es dabei beschädigt wurde, ist unklar. Umweltschützer sind sich aber sicher, dass das Schiff eigentlich gar nicht hätte fahren dürfen.

"Wenn das Schiff ordentlich konstruiert und gewartet worden wäre, hätte es nicht derart beschädigt werden können, trotz des Sturmes", sagte Melissa Moore, Sprecherin der britischen Meeresschutzgesellschaft. "Es muss also etwas schiefgegangen sein, entweder beim Bau, der Reparatur oder der Wartung dieses Schiffes." Am wahrscheinlichsten ist es nach Ansicht Moores, dass die Havarie mit der Beschädigung aus dem Jahr 2001 zusammenhängt. "Entweder wurde der Frachter nicht ordnungsgemäß repariert, oder der Schaden war so umfangreich, dass man ihn gar nicht reparieren konnte."

Welchen Umfang der Schaden hat, ist noch nicht abzusehen. Laut "Times Online" ist die Struktur des Schiffes schwer beschädigt. Die "MSC Napoli" hat mehrere Risse in ihrer Hülle. Bei dem Unglück strömte Wasser ins Innere, der Maschinenraum ist seit Donnerstag geflutet.

An Bord sind noch mehr als 3000 Tonnen Schweröl. Mehrere hundert Tonnen sind bereits ausgetreten. Um eine Umweltkatastrophe zu verhindern, wollen Helfer heute das restliche Öl aus dem havarierten Schiff abpumpen. Danach soll eine Spezialfirma die restlichen Container entladen.

ffr

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