Untergang der "Explorer": Überlebende sitzen im Eis fest - DER SPIEGEL
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Untergang der "Explorer" Überlebende sitzen im Eis fest

Das Drama geht weiter: Nach dem Untergang des Kreuzfahrtschiffes "MV Explorer" harren die geretteten Passagiere in der Antarktis aus. Schlechtes Wetter macht es unmöglich, die 154 Schiffbrüchigen in ihre Heimatländer zurückzufliegen.
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Santiago - Der kanadische Reiseveranstalter G.A.P. Adventures hatte eigentlich geplant, die Betroffenen noch heute von Chile aus in ihre Heimatländer zurückzutransportieren. Die "MV Explorer" hatte gestern einen Eisberg gerammt und war untergegangen. Die Insassen wurden von einem norwegischen Schiff gerettet.

Damit die Passagiere nicht auch noch beim Fliegen in Lebensgefahr geraten, blieben sie vorerst in einer chilenischen sowie einer uruguayischen Militärbasis in der Antarktis. "Die Wetterbedingungen sind unverändert schlecht", sagte der Sprecher der chilenischen Luftwaffe, Reinaldo Neuling. Deshalb sei es unklar, wann die beiden Hercules-Flugzeuge abheben könnten, um die Passagiere abzuholen, sagte Neuling. An Bord der "MV Explorer" befanden sich außer 54 Besatzungsmitgliedern und neun Reiseleitern auch 91 Reisende, darunter ein Deutscher.

Das Besatzungsmitglied Andrea Salas sagte dem argentinischen Radiosender "Continental", sie habe nach Mitternacht mit Kollegen in der Bar etwas getrunken, als plötzlich durchnässte Passagiere aus den unteren Kabinen gekommen seien und Alarm geschlagen hätten. Nachdem die "MV Explorer" gestern Morgen im eiskalten Wasser der Antarktis mit einem Eisberg kollidiert war, mussten die Schiffbrüchigen stundenlang in Schlauchbooten ausharren. "Es war windig und sehr kalt, wir waren durchnässt von den Wellen", sagte Salas. Es habe drei bis vier Stunden gedauert, bis ein norwegisches Boot sie schließlich aufgenommen habe.

Der Reiseveranstalter G.A.P teilte mit, die Evakuierung sei problemlos verlaufen. Die Passagiere hätten mehrere Stunden zum Verlassen des sinkenden Schiffes gehabt, während das eindringende Wasser aus dem Kielraum gepumpt worden sei, sagte die stellvertretende Marketingleiterin des Konzerns, Susan Hayes. Durch den Zusammenstoß mit dem Eisberg war ein faustbreiter Riss im Rumpf des Schiffes entstanden. Zudem hätten die Passagiere am ersten Tag der Kreuzfahrt alle ein Evakuierungstraining absolviert, betonte der Reiseveranstalter. Experten hatten kritisiert, das 1969 erbaute, unter liberianischer Flagge fahrende Schiff sei in einem schlechten Zustand gewesen, außerdem hätten Rettungspläne gefehlt.

Der Kapitän der norwegischen "MS Nordnorge", Arnvid Hansen, sagte nach der Evakuierung, allen Geretteten gehe es gut. Unterkühlungen habe es nicht gegeben. Nach dem Sinken des Schiffes war aus dem Wrack der "MV Explorer" Öl ausgelaufen und hatte einen 20 mal 180 Meter großen Ölteppich auf der Meeresoberfläche gebildet. Das Öl wurde vom chilenischen Eisbrecher "Viel" aufgesaugt.

Vor 95 Jahren war die "Titanic" ebenfalls nach einer Kollision mit einem Eisberg gesunken. Das Schiff ging im Nordatlantik mit mehr als 2200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord unter. Nur rund 700 Menschen überlebten.

jdl/AFP

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