Unterhändler Freilassung von Geiseln greifbar nahe
Zamboanga/Philippinen - Es sei "in greifbare Nähe gerückt", dass mindestens einer der seit knapp drei Monaten gefangenen europäischen Touristen in den nächsten Tagen freikomme, sagte der Chefunterhändler der philippinischen Regierung, Robert Aventajado. Ebenso erwarten die Unterhändler die baldige Freilassung aller sieben noch von der Moslemgruppe Abu Sayyaf festgehaltenen Malaysier, hieß es aus Vermittlerkreisen.
Ein neuer Unterhändler habe sich mit dem Abu-Sayyaf-Führer Ghalib Andang auf der Insel Jolo getroffen, berichtete Aventajado. Dabei handele es sich um einen Verwandten Andangs. Er sei mit einer überarbeiteten Liste von Forderungen zurückgekommen, in denen die Geiselnehmer Hilfe für soziale Projekte auf Jolo verlangen, darunter etwa die Pflanzung eines Orangenhains für eine Kooperative. Von einem eigenständigen moslemischen Staat im Süden der Philippinen sei nicht mehr die Rede, sagte ein Vermittler. Die Abu Sayyaf verlangten aber weiter eine Million Dollar (2,09 Millionen Mark/1,07 Millionen Euro) Lösegeld für jede Geisel.
"Wir prüfen die Forderungen nun - ob sie erfüllbar sind oder nicht", sagte Aventajado. "Wir packen das Problem an der Wurzel, der Armut." Andang soll 35 der mittlerweile insgesamt 39 Geiseln in seiner Gewalt haben. Allerdings ist umstritten, welche Macht Andang innerhalb der Abu Sayyaf hat. Drei weitere Führer der Gruppe haben wiederholt abweichende Angaben gemacht und sich nach Behördenangaben mit Andang auch über die Lösegeldforderungen gestritten.
Erst am Freitag hatten die Entführer eine zweite malaysische Geisel gehen lassen. Der malaysische Botschafter Mohammed Arshad Hussain erklärte daraufhin, er hoffe, dass das Geiseldrama bald zu Ende sei. Die malaysischen Unterhändler zahlten den Entführern für die Freilassung der Geisel nach eigenen Angaben 50 Säcke Reis sowie eine ungenannte Summe Geld "für Kost und Logis" anstelle eines Lösegelds. Außerdem versprach die Regierung Malaysias Entwicklungshilfe für die verarmte südphilippinische Insel. "Wir haben lange genug gewartet", sagte der Botschafter.
Zu der am Ostersonntag von Malaysia nach Jolo verschleppten Gruppe gehören neben der Göttinger Familie Wallert zwei Franzosen, zwei Finnen, zwei Südafrikaner, eine Libanesin, zwei Philippiner und noch sieben Malaysier.