Unwetter Berlin im Ausnahmezustand
Berlin - Die Feuerwehren waren vielerorts im Großeinsatz, um Keller leer zu pumpen oder Straßen frei zu räumen. "Es ist aber keine Katastrophe. Wir haben alles gut im Griff", beschwichtigte ein Sprecher des Lagedienstes.
Besonders stark betroffen waren die Stadtteile Tempelhof, Lichterfelde, Wannsee, Mariendorf und Teile von Steglitz. Autofahrer berichteten aus Lichterfelde, dass sie wegen der schlechten Sicht und der Wassermassen stoppen mussten. Viele Straßen waren überflutet. Unterspülungen sorgten streckenweise für Unterbrechungen des S-Bahnverkehrs.
Die Feuerwehr hatte am Abend etwa 600 freiwillige Kollegen in den Einsatz gerufen und damit ihre Mannschaftsstärke verdoppelt. Es seien etwa 200 Einsatzstellen aus dem Stadtbereich gemeldet worden, sagte ein Sprecher. Am späten Abend sollten nach seiner Auskunft die schlimmsten Schäden behoben sein.
Das Regenband hatte die Region Berlin-Brandenburg von Ost nach West überquert. Im Vergleich zu den Regengebieten Bayern und Norditalien seien die Verhältnisse aber harmlos, hieß es beim Potsdamer Wetterdienst.
Starke Regenfälle hatten in der Nacht zum Mittwoch in Oberbayern Dutzende Straßen und Hunderte Keller überflutet. In den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land mussten nach Polizeiangaben zahlreiche Straßen gesperrt werden. Im Landkreis Rosenheim war die Feuerwehr auf der Autobahn A8 München-Salzburg im Dauereinsatz, um die Wassermassen abzupumpen. "Wenn es noch mehr regnet, kann es sogar sein, dass wir die Autobahn sperren müssen", sagte ein Polizeisprecher. Auch in Norddeutschland waren sämtliche Schleusen im Himmel geöffnet. In der Nacht zum Dienstag waren in Schleswig 73 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, in Kiel 54 Liter.
Sintflutartige Regenfälle haben auch in den österreichischen Bundesländern Salzburg und Niederösterreich große Schäden verursacht. Nach einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur APA fielen in der Nacht rund 120 Millimeter Regen pro Quadratmeter. Das sind drei Viertel der üblichen August-Niederschläge. Besonders dramatisch war die Situation in Salzburg und im Raum St. Pölten. Im Krankenhaus von Krems drang Wasser in die Operationssäle. Allein in Salzburg waren rund 1600 Feuerwehrleute im Einsatz, um Keller und Tiefgaragen auszupumpen, Schäden nach Murenabgängen zu beheben und weitere Überschwemmungen mit Sandsäcken zu verhindern. Wer nun meint, der Regen müsse nach diesen Niederschlagsmengen endlich aufhören, wird enttäuscht. Für den Mittwoch sagten die Meteorologen weitere Niederschläge voraus, so dass dort an einem Tag die gesamte für den August zu erwartende Regenmenge gefallen sein dürfte.
Katastrophal war auch die Lage in Italien. An der nördlichen Adria, in Ligurien und in der Toskana schüttete es wie aus Kübeln. Italienische Medien sprachen von den schlimmsten sommerlichen Regenfällen seit 40 Jahren. Die Regierung in Rom will nun den Notstand ausrufen. Dadurch sollen die betroffenen Bauern schnell finanzielle Entschädigungen bekommen, kündigte Landwirtschaftsminister Giovanni Alemanno am Mittwoch an. Die Schäden in der Landwirtschaft werden auf etwa 300 Millionen Euro geschätzt. Schwer getroffen sind vor allem die Weinbaugebiete in Friaul, Venetien und um den Gardasee.