Unwetter Heftiger Regen flutet Straßen und Keller
Hamburg - "Wir hatten viele Notrufe", fasste ein Polizeisprecher die Nacht zusammen, in der heftiger Regen in weiten Teilen Deutschlands Straßen überflutet und Keller unter Wasser gesetzt hat. Im baden-württembergischen Landkreis Lörrach seien ganze Straßenzüge überspült worden, Bäume umgestürzt und auch ein Teilstück der Autobahn 5 bei Efringen-Kirchen sei unpassierbar gewesen, hieß es. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen.
Mehr als 20 Mal musste die Feuerwehr derweil im thüringischen Altenburg ausrücken, um Keller auszupumpen. An einigen Stellen drückten die Wassermassen auch Gullydeckel aus ihren Verankerungen. Bereits am Abend waren bei einem Gewitter in Schleswig-Holstein im Kreis Herzogtum Lauenburg Straßen überflutet worden. Das Wasser lief auch dort in Keller. Die Feuerwehr zählte innerhalb einer Stunde mehr als 50 Einsätze.
Sorgen bereitet den Behörden im Südwesten der Pegel des Rheins. Bereits gestern hatte die Hochwasser-Vorhersage-Zentrale (HVZ) mitgeteilt, dass der Schifffahrt am Oberrhein wegen der stark steigenden Wasserstände in der Nacht zum Freitag ein Fahrverbot drohe. Ein Grund für den massiven Anstieg des Rhein-Wasserstandes sind die starken Regenfälle in der Schweiz. Das Wasser gelangt über den Bodensee und den Hochrhein auch in den Südwesten.
Am Mittwochabend war in der Schweiz in mehreren Kantonen Hochwasseralarm ausgelöst worden. Besonders stark betroffen waren nach Behördenangaben das Alpenvorland und die Region Berner Alpen. Im Kanton Bern gab es nach Angaben der örtlichen Polizei bereits mehrere hundert Einsätze wegen Erdrutschen, überschwemmten Straßen, Kellern und Wohnungen. Verletzte gebe es bisher aber nicht.
In der Hauptstadt Bern trat die Aar über die Ufer. Die örtlichen Behörden forderten die Anwohner der betroffenen Gebiete dazu auf, ihre Keller leer zu räumen und ihre Autos wegzufahren. Einige Dörfer in der Region von Bern sind von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem vorsorglich eine Straße und der Eisenbahnverkehr gesperrt wurden. Bis heute Abend soll es nach Angaben des nationalen meteorologischen Instituts in einigen Regionen bis zu 100 Liter Wasser pro Quadratmeter regnen.
Auch in New York haben schwere Regenfälle den Berufsverkehr gestern Morgen lahmgelegt. Die veralteten U-Bahntunnel waren den Fluten nicht gewachsen, was auf fast allen Linien in Richtung Manhattan zu Totalausfällen führte. Erst gegen Mittag konnte die U-Bahn, die normalerweise sieben Millionen Menschen am Tag transportiert, einige Verbindungen wieder in Betrieb nehmen. Auch die Pendler in den Vororten mussten sich auf Verspätungen einstellen.
Kurz vor dem Morgengrauen hatte ein heftiger Sturm gewütet und allein im Stadtteil Brooklyn 40 Häuser und bis zu 200 Autos schwer beschädigt, wie Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte.
Auch in anderen Bezirken wurden Dächer abgedeckt und Bäume umgeknickt. Ungefähr 14.000 New Yorker waren vorübergehend ohne Strom. Das Ausmaß der Zerstörung war so groß, dass Meteorologen nun sogar prüfen, ob es nicht sogar ein Tornado war, der über die Ostküstenstadt hinweggefegt war.
In Deutschland wird das Wetter in den nächsten Tagen ein Mix aus Wolken, Regen, Gewitter und Sonne bleiben. Heute ist es im Westen, Süden und in der Mitte Deutschlands unbeständig mit vielen Wolken und Regen. Örtlich kann der kräftige, teils mit Gewittern durchsetzte Regen länger anhalten und zu Überflutungen führen. Im Norden und Osten ist es tagsüber häufig sonnig, hier muss man nur vereinzelt mit Schauern und teils heftigen Gewittern rechnen.
jdl/dpa/AFP/Reuters