Unwetter im Zollernalbkreis: "Bei uns sieht es aus wie nach einem Bombenangriff" - DER SPIEGEL
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Unwetter im Zollernalbkreis "Bei uns sieht es aus wie nach einem Bombenangriff"

Auf den Straßen türmen sich Matsch, Müll und jede Menge Unrat: Im baden-württembergischen Zollernalbkreis haben nach dem verheerenden Unwetter die Aufräumarbeiten begonnen. Doch neue Unwetter drohen.
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Jungingen - "Ich kann mich nicht erinnern, dass es eine solche Überschwemmung bei uns schon einmal gegeben hat", sagt der stellvertretende Bürgermeister von Jungingen, Alexander Pick, SPIEGEL ONLINE. Die Gemeinde im Zollernalbkreis südlich von Stuttgart ist gemeinsam mit der Stadt Hechingen am stärksten von den schweren Unwettern betroffen, bei denen in der Nacht drei Frauen ums Leben kamen.

Nach Polizeiangaben wurde eine Frau in Jungingen in ihrem Auto von den Fluten weggerissen und getötet. Ihre Beifahrerin galt zunächst als vermisst, wurde aber am Morgen ebenfalls tot aufgefunden. In Hechingen überraschten die Wassermassen eine Bewohnerin im Keller ihres Hauses - auch sie ertrank.

"Wir räumen jetzt wieder auf"

In Oberschwaben wurde ein Lokführer lebensgefährlich verletzt, als der Zug gegen umgestürzte Bäume prallte. Der Zustand des Mannes sei kritisch, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Elf Menschen kamen nach Angaben des Landratsamtes in Balingen mit Verletzungen ins Krankenhaus.

"Bei uns sieht es aus wie nach einem Bombenangriff", versucht Pick die Situation in Jungingen zu beschreiben. "Auf den Straßen liegen Müll und Unrat und sie sind von Schlammschichten bedeckt. Wir räumen jetzt auf: Die Leute arbeiten und versuchen Ordnung zu schaffen. Die Möbel werden aus den Häusern getragen und das Wasser in Eimern aus den Kellern geschöpft."

Straßen seien unterspült worden und Hänge drohten zu rutschen. Es seien Schäden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden. In dem 1500-Einwohner-Dorf seien zwei Drittel aller Haushalte von dem Unwetter betroffen. "Bei einigen steht das komplette Erdgeschoss unter Wasser, bei anderen ist es nur in den Keller gelaufen."

Mehrere Hundert Helfer sind damit beschäftigt, Keller leerzupumpen und Straßen freizuräumen. Jungingen und das gleichfalls überschwemmte Hechingen liegen beide an der Starzel, einem etwa 30 Kilometer langen Nebenfluss des Neckar.

"Schlimmstes Ereignis, das die Menschen erlebt haben"

Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) informierte sich im Killertal südlich von Tübingen über die schweren Schäden. Er dankte den mehr als 1000 Helfern von Polizei, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk für ihre "schnelle und professionelle Hilfe". Die Einsatzkräfte hätten seit Montagabend "bis zur Erschöpfung gearbeitet", sagte Rech in Balingen. Nach Polizeiangaben verursachten die Wassermassen Schäden in Millionenhöhe. Auch über Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zogen in der Nacht heftige Gewitter mit starkem Regen und Sturmböen hinweg.

Landrat Günther-Martin Pauli (CDU) bezeichnete das Unwetter im schwäbischen Zollernalbkreis als "schlimmstes Ereignis, das die Menschen bisher in der Region erlebt haben". Bis zu fünf Ortschaften hätten zeitweilig unter Wasser gestanden und seien zunächst von den Rettungskräften nicht erreichbar gewesen. Zugleich betonte Pauli, dass dieses Unwetter nicht absehbar gewesen sei.

In Absprache mit dem Deutschen Wetterdienst gab es gegen 17.00 Uhr eine Gefahrenmeldung über den Rundfunk. Um 18.28 Uhr habe der Deutsche Wetterdienst dann eine lokale Entwarnung gegeben, die aber nur für Balingen gegolten habe, hieß es bei einer Pressekonferenz des Krisenstabs in der Kreisstadt Balingen.

"Viele Teile des Dorfes sind sehr verwundbar"

Feuerwehren aus Stuttgart, Karlsruhe, Reutlingen und anderen Städten wurden zur Verstärkung in die Unwetterregion geschickt. Auch Taucher seien in Alarmbereitschaft, teilte das Innenministerium in Stuttgart mit.

Heftiger Regen, Hagelschlag und Sturm sind auch nach den verheerenden Unwettern auf der Schwäbischen Alb noch nicht ausgestanden. Am Mittwoch soll es nach der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes nur nordöstlich der Elbe sonnig und trocken sein. "Im übrigen Deutschland kommt es erneut zu schauerartigen Regenfällen und teils kräftigen Gewittern, die von Starkregen, Hagel und Sturmböen begleitet sein können", warnte der DWD. Zum Wochenende nimmt das Unwetterpotential ab.

Und auch in Jungingen kann man noch nicht aufatmen. "Wir hoffen sehr, dass das Wetter hält", sagt der stellvertretende Bürgermeister Pick. "Viele Teile des Dorfes sind jetzt sehr verwundbar, weil die Kanäle nicht mehr intakt sind. Aber wenn ich zum Himmel schaue, sehe ich, dass es sich schon wieder bezieht."

han/dpa/AP