Unwetter Tornado über Norddeutschland
Hamburg/Berlin - Ein Tornado richtete nach Polizeiangaben in Norderstedt (Schleswig-Holstein) nördlich von Hamburg schwere Schäden an. 30 Bäume stürzten um, die Dächer von 10 Häusern wurden abgedeckt und ein Reiterhof verwüstet. Nach ersten Angaben wurde dort niemand verletzt. Auch aus anderen Orten wurden Schäden gemeldet. Die Böen waren teilweise 115 Kilometer pro Stunde schnell.
In Hamburg kenterten zahlreiche Segelboote auf der mitten in der Stadt gelegenen Alster, die Sportler mussten geborgen werden. Im schleswig-holsteinischen Westerhever erreichten die Böen nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia sogar 146 Kilometer in der Stunde. Auf der Nordseeinsel Borkum in Niedersachsen maßen die Experten Windgeschwindigkeiten bis zu 133 Kilometer pro Stunde.
Das angekündigte Unwetter wütete auch in Berlin und in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. In Brandenburg wurden zehn Menschen verletzt. Wie das Innenministerium mitteilte, erlitt eine Frau im Landkreis Barnim schwere Verletzungen, als ein Ast auf ihr Auto fiel. Die Polizei war insgesamt 110 Mal im Einsatz und registrierte 15 Unfälle. In Potsdam wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Kilometer pro Stunde gemessen. Innerhalb von Minuten wurde es nachtschwarz, Hagelkörner und Regengüsse prasselten herab.
Im Berliner Stadtteil Zehlendorf wurden zwei Menschen verletzt. Ein Baum war auf ein an einer Ampel wartendes Auto gestürzt. Dabei wurde der Beifahrer eingeklemmt und schwer verletzt, wie ein Polizeisprecher berichtete. Der Fahrer erlitt leichtere Verletzungen. In Berlin wurden Bäume durch Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis zu 133 Kilometern pro Stunde entwurzelt.
In wenigen Minuten hatte sich der Himmel verfinstert, und es goss in Strömen. "Kurz nach 19 Uhr wurde der Ausnahmezustand Stufe eins ausgerufen", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Pausenlos gingen Anrufe bei der Feuerwehr ein. Alle verfügbaren Wachen seien ausgerückt um Schäden zu beheben.
In Nord- und Ostbayern, aber auch in Sachsen und Thüringen kam es nach der Hitze des Tages zu schweren Gewittern. In Erfurt legte ein Blitzeinschlag den gesamten Zugverkehr lahm. Signale und Weichen fielen für vier Stunden aus. Erst am frühen Abend fuhren die Züge wieder fahrplanmäßig.