Urbi et orbi "Ich denke an den Irak, an Afghanistan..."
Rom/Jerusalem/Moskau - "Ich denke an den Irak", sagte der Papst vor den Gläubigen und den Touristen auf dem Petersplatz und erinnerte an die "blutigen Gemetzel" dort. Im Irak geschehe "nichts Positives". "Ich denke an Sri Lanka, ich denke an Afghanistan" - in einer langen Aufzählung nannte Benedikt die Krisenherde der Welt. Bei strahlendem Sonnenschein verwies er besonders auf die Konflikte in Afrika, etwa auf die "katastrophale und leider unterschätzte humanitäre Situation" im sudanesischen Darfur, die Kämpfe in Somalia und die Krise in Simbabwe.
Benedikt XVI. auf der Loggia des Doms: "Aus dem Irak nichts Positives"
Foto: AFP"Wie viele Verwundungen, wie viel Schmerz ist in der Welt!", rief Benedikt den Gläubigen zu. "Ich denke an die Plage des Hungers, an die unheilbaren Krankheiten, an den Terrorismus und an die Geiselnahmen, an die tausend Gesichter der - manchmal im Namen der Religion gerechtfertigten - Gewalt, an die Geringschätzung des Lebens und an die Verletzung der Menschenrechte, an die Ausbeutung von Menschen." Zur Lage in Nahost meinte der Papst, hier gebe es "Zeichen der Hoffnung im Dialog zwischen Israel und den palästinensischen Autoritäten".
Bei strahlendem Sonnenschein waren auch viele Deutsche auf den Peterplatz gekommen. Höhepunkt der Messe war wieder der Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis). Die Ostergrüße verkündete der Pontifex in 62 Sprachen. Auf Deutsch sprach er die Worte: "Euch allen ein gesegnetes und frohes Osterfest. Der Friede und die Freude des auferstandenen Herren sei mit euch."
Bereits in der Nacht hatte Benedikt im Petersdom die Osterwache gefeiert. Dabei wurde in der Vorhalle der Kirche das Osterlicht entzündet und in den Petersdom gebracht.
Lateinischer Patriarch: "Risiko des Friedens eingehen"
Auch in Jerusalem haben Tausende Pilger aus aller Welt und örtliche Christen Ostern gefeiert. In der Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt zelebrierte der lateinische Patriarch Michel Sabbah die heilige Messe. Er war zuvor an der Spitze einer Osterprozession in der Kirche eingetroffen.
Anschließend feierten auch Repräsentanten der anderen christlichen Kirchen, darunter die griechischen Orthodoxen, die Armenier und die Kopten, in der Grabeskirche. Nach palästinensischen Angaben konnten wegen israelischer Blockademaßnahmen nur wenige palästinensische Christen an den Feierlichkeiten teilnehmen.
In seiner Osterbotschaft forderte Sabbah erneut ein Ende des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern. Solange die Besatzung der Palästinensergebiete andauere werde ein "Ungleichgewicht im Heiligen Lande" bestehen bleiben. "Damit ein Heilungsprozess unseres Landes, dieser Region und der Welt beginnen kann, muss man das Risiko des Friedens eingehen und die Besatzung beenden", hieß es in der Botschaft.
Bereits am Samstag hatten sich Tausende in der Grabeskirche eingefunden, in der Religionsstifter Christus nach christlicher Überlieferung vor rund 2000 Jahren nach seiner Kreuzigung begraben wurde. Am Nachmittag wurde unter Glockengeläut eine Fackel, das Osterfeuer, gemäß der Tradition aus der Kirche getragen. Hunderte israelischer Polizisten waren im Einsatz, um während der Feierlichkeiten die Sicherheit zu gewährleisten. In diesem Jahr fallen die Osterfeiertage der römisch-katholischen Kirche und der griechisch-orthodoxen Kirche zeitlich zusammen.
Putin bei Ostermesse
Der russische Präsident Wladimir Putin und andere Politiker nahmen an der Ostermesse des russisch-orthodoxen Patriarchen Alexi II. in der Moskauer Christ- Erlöser-Kathedrale teil. Auf die strenge vorösterliche Fastenzeit folgte am Sonntag das Fastenbrechen mit Pascha, einer gehaltvollen Quarkspeise und dem Kuchen Kulitsch.
Putin, der trotz seiner Geheimdienstvergangenheit als persönlich fromm gilt, wünschte seinen Landsleuten ein frohes Osterfest. "Die Freude dieses von Gutem und Liebe erfüllten Feiertages teilen die vielen Millionen Angehörigen der orthodoxen Gemeinde", hieß es in einer Mitteilung des Kreml. Der Präsident würdigte ausdrücklich den Einsatz Alexi II. für "die geistliche Erneuerung Russlands". Nach der Ostermesse in der Erlöser-Kathedrale überreichte Putin dem Patriarchen eine Ikone der Mutter Gottes aus dem 16. Jahrhundert, die die Bolschewiken in den zwanziger Jahren ins Ausland verkauft hatten.
Weltweit sind etwa 150 Millionen Menschen christlich-orthodoxen Glaubens. Die russische Kirche, also das Moskauer Patriarchat, ist mit 100 Millionen Gläubigen in Russland, Weißrussland, der Ukraine und anderen Ländern die größte Teilkirche. Von 6900 Gemeinden kurz vor der Auflösung der Sowjetunion ist die russisch-orthodoxe Kirche seitdem wieder auf 26.600 Gemeinden gewachsen.
dab/dpa