Urbi et Orbi Todkranker Papst spendet Ostersegen
Vatikan-Stadt - Mit der Geste des Kreuzes hat Papst Johannes Paul II. am Sonntag den traditionellen Ostersegen erteilt. Helfer rückten dem 84-Jährigen an seinem Fenster über dem Petersplatz ein Mikrofon zurecht. Unter großen Mühen versuchte der Papst zu sprechen. Zu hören waren einen Monat nach seinem Luftröhrenschnitt jedoch nur einige Laute, keine vollständigen Wörter. Johannes Paul II. trägt seit der Operation eine Kanüle im Hals, die ihm das Sprechen so gut wie unmöglich macht. Er hatte Schwierigkeiten, seinen Kopf aufrecht zu halten und hustete mehrmals.
An der Messe selbst konnte der 84-Jährige zum ersten Mal in den 26 Jahren seines Pontifikats nicht teilnehmen. Die Osterbotschaft des Papstes hatte zuvor Kardinal Angelo Sodano verlesen. Darin forderte der Kirchenführer Frieden in den Krisengebieten der Welt: "Frieden für die Staaten des Nahen Ostens und Afrikas, denn auch dort dauert das Blutvergießen an; Frieden für die ganze Menschheit, die immerzu der Gefahr der Bruderkriege ausgesetzt ist." Außerdem verlangte er Solidarität mit den Armen in der Dritten Welt.
Zehntausende Gläubige hatten sich auf dem Petersplatz versammelt, um das Oberhaupt der katholischen Kirche an ihrem höchsten Feiertag zu sehen. Die Menge war sichtlich betroffen vom Gesundheitszustand des Papstes, der sich nur unter größter Anstrengung am Fenster aufhalten konnte.
Bei der Osterwache in der vergangenen Nacht hatte sich Johannes Paul II. von dem deutschen Kardinal Joseph Ratzinger vertreten lassen. Ratzinger verlas eine Botschaft das Papstes, in der dieser versicherte, er verfolge die Messe in seiner Wohnung am Fernseher. Anders als am Karfreitag wurden aber keine Videoaufnahmen des Papstes übertragen. Die Ausstrahlung am Freitag hatte in der Öffentlichkeit große Besorgnis erregt, weil er nur von hinten gezeigt wurde.
In diesem Jahr hat der Papst bereits zwei Aufenthalte in der römischen Gemelli-Klinik hinter sich, insgesamt 28 Tage. Neben seinen Atemwegsbeschwerden leidet Johannes Paul II. an Parkinson und an Arthritis.