Urgewalt Hunderte Verletzte bei Erdbeben in Japan
Kushiro - Einige Flutwellen trafen bereits die Ostküste und spülten mehrere Autos weg. Größere Schäden wurden jedoch nicht berichtet. Nach der Flutwarnung verließen zeitweise rund 40.000 Menschen ihre Wohnungen und wurden in Sicherheit gebracht. Im Fernsehen waren Schiffe zu sehen, die nach der Warnung vor Flutwellen, so genannten Tsunamis, aufs Meer hinaus fuhren, um nicht an der Küste zerschmettert zu werden.
Ein Seismologe an der Universität Hokkaido sagte: "Wir sollten für ein oder zwei Tage wegen Tsunamis in Alarmbereitschaft sein." Vor zehn Jahren wurden rund 200 Menschen getötet, als nach einem Erdbeben der Stärke 7,8 eine Flutwelle auf die westlich von Hokkaido gelegene Insel Okushiri getroffen war.
Hokkaido ist die zweitgrößte der vier Hauptinseln Japans. Auf ihr leben rund fünf Millionen Menschen. Die Finanzmärkte in Tokio reagierten jedoch kaum auf die Nachrichten von den Beben.
Das Meteorologische Institut registrierte das erste Beben mit einer Stärke von 8,0 auf der Richter-Skala um 4.50 Uhr (Ortszeit, Donnerstag 21.50 MESZ), als die meisten Bewohner noch schliefen. Beben dieser Stärke können große Schäden verursachen. Das Epizentrum lag 42 Kilometer unter dem Meeresgrund nahe der Hafenstadt Erimo. Das Beben war auch im rund 975 Kilometer südlich gelegenen Tokio zu spüren. Etwa eine Stunde später folgte das zweite Beben mit einer Stärke von 5,8. Das dritte Beben erschütterte Hokkaido kurz darauf mit einer Stärke von 7,0.
"Alles fiel durcheinander"
Ein Mann starb nach offiziellen Angaben bei einem Verkehrsunfall infolge der Beben. Einwohner der Region berichteten, sie seien von der Wucht der Beben überrascht worden. "Alles in unserem Haus fiel durcheinander", sagte ein Mann in einem Krankenhaus dem Sender NHK. Autobahnen wurden gesperrt, und der Zugverkehr kam in vielen Regionen zum Erliegen. Medienberichten zufolge entgleiste ein Personenzug, ein Mensch wurde verletzt. In Supermärkten fielen die Waren aus den Regalen. Ziegel stürzten von den Dächern. In Gebäuden und Straßen taten sich Risse auf. In Kushiro wurde der Flughafen geschlossen, nachdem die Decke im Kontrollturm herabgestürzt war.
Die Raffinerie Kosan blieb nach Angaben des Unternehmens Idemitsu auch nach Löschung des Feuers vorerst stillgelegt. Ein Tanklager sei in Brand geraten, die Raffinerie selbst sei unbeschädigt. Das Energieunternehmen Nippon Oil, das die andere Raffinerie auf Hokkaido betreibt, teilte mit, die Anlage sei nicht beschädigt worden. Der Betrieb des Atomkraftwerkes Tomari wurde nach Betreiberangaben nicht beeinträchtigt.
Die Beben von Hokkaido weckten die Erinnerung an das schwere Erdbeben vor acht Jahren in der westjapanischen Stadt Kobe. Damals starben mehr als 6400 Menschen. Das Beben hatte eine Stärke von 7,2 auf der Richter-Skala.