Urteil Elian bleibt vorläufig in den USA
Miami/Havanna - Der Beschluss der Richterin Rosa Rodriguez löste in Havanna heftige Proteste aus. Elians Vater, Juan Miguel Gonzalez, verlangt mit Unterstützung der kubanischen Regierung die Rückkehr des Jungen in seine Heimat. Auch amerikanische Rechtsexperten kritisierten, das Urteil sei politisch motiviert und halte einer rechtlichen Überprüfung nicht stand. Unter anderem verletze es Floridas Familienrecht, demzufolge ein Kind zu seinem Vater gehöre.
Die Einwanderungsbehörde könnte den Jungen trotz des Urteils abschieben. Ein Sprecher erklärte jedoch, man werde die Anordnung vom letzten Freitag nicht mit Gewalt durchsetzen. Nach der einstweiligen Verfügung können die Verwandten nun vor Gericht eine Vormundschaft erreichen. Eine entsprechende Anhörung wurde für den 6. März angesetzt. Auch der in Kuba lebende Vater muss vor Gericht erscheinen. Tue er dies nicht, könne dies zu einer Entscheidung führen, die gegen seine Interessen sei, erklärte die Richterin.
Der Großonkel des Jungen, Lazaro Gonzalez, sprach von einem Sieg für Elian. Die kubanische Regierung verurteilte die Entscheidung der Richterin. Tausende Kubaner demonstrierten vor der amerikanischen Botschaft in Havanna. Der Führer der kubanischen Studentenvereinigung, Hassan Perez, bezeichnete das Urteil als ungesetzlich und willkürlich. "Was sind das für Monster, deren Herzen nicht hören?", sagte Perez auf der Kundgebung. Die Exilkubaner in Miami würden alle Mittel einsetzen, um die Rückkehr des Jungen zu verhindern.
Elian wurde nach der Flucht, bei der im November seine Mutter und sein Stiefvater ertranken, von Verwandten in Miami aufgenommen. Der Sechsjährige wohnt seitdem bei seinem Großonkel und seiner Großtante. In deren Namen stellten am Freitag mehrere Anwälte den Antrag, die Behörden sollten dem Ehepaar die Vormundschaft über den Jungen übertragen. Dann solle um eine Aufenthaltsgenehmigung und schließlich um politisches Asyl nachgesucht werden.