Urteil im Nivel-Prozess Haftstrafe für Hooligan
Bochum - Mit dem Urteil blieben die Richter unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die fünf Jahre Haft beantragt hatte. Der Verteidiger Thomas Schäfer hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert. Bis zuletzt hatte sein Mandant die Beteiligung am Angriff bestritten. In seinem Schlusswort vor dem Urteil hat der Angeklagte noch einmal beteuert: "Ich war bei Nivel nicht beteiligt." Der Anwalt hatte sich überzeugt gezeigt, dass der 28-Jährige nur wegen des Angriffs auf ein brasilianisches Kamerateam zu verurteilen sei. Fotos belegten, dass der Mann am 21. Juni 1998 in Lens am Rande des WM-Länderspiels zwischen Deutschland und Jugoslawien an der Attacke auf die Journalisten beteiligt war.
Im Fall Nivel belegen Bilder, dass der Bochumer bis zuletzt neben dem schwer verletzten Polizisten stand. Beweisfotos, wonach der Mann selbst zugeschlagen hat, gibt es genauso wenig wie belastende Zeugenaussagen.
Nivel lag damals sechs Wochen im Koma. Bis heute kann er nicht wieder richtig sprechen, er ist schwer behindert.
Vier der Schläger waren bereits 1999 vom Essener Landgericht zu Haftstrafen zwischen dreieinhalb und zehn Jahren verurteilt worden. Dafür gab ein anderer Hooligan aus Gelsenkirchen, der bereits 1999 vom Essener Landgericht zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war, im Bochumer Zeugenstand erstmals öffentlich zu, dem am Boden liegenden Nivel mit einem Gewehraufsatz direkt auf den Kopf geschlagen zu haben. In seinem eigenen Prozess hatte er nur von Schlägen auf den Körper des Gendarmen gesprochen. Ihn hatten die Essener Richter damals wegen versuchten Mordes bestraft.
Dem Bochumer Hooligan hat die Staatsanwaltschaft keinen Tötungsvorsatz unterstellt. Deshalb saß er 1999 auch nicht mit auf der Anklagebank. Im Laufe der Ermittlungen hatte der Bochumer immer nur das zugegeben, was ihm ohnehin zu beweisen war. Nach seiner Festnahme im Sommer 1998 hatte er zunächst sogar bestritten, überhaupt in der Nähe von Nivel gewesen zu sein. Als ihm die Vernehmungsbeamten daraufhin ein Foto vorlegten, auf dem er direkt neben dem schwer verletzten Polizisten zu sehen ist, sagte er "dumm gelaufen".