Urteil Sammer-Entführer müssen in Knast
Hagen - Die Familie des jetzigen Borussia-Dortmund-Trainers war im Herbst 1999 nur knapp der Geiselnahme entgangen. Das Landgericht Hagen verurteilte die beiden verhinderten Entführer am Dienstag zu Freiheitsstrafen von fünf Jahren und drei Monaten beziehungsweise zwei Jahren Haft ohne Bewährung.
Die beiden 56 und 41 Jahre alten Männer aus Lippstadt und Hemer wollten Sammer zur Zahlung von 1,8 Millionen Mark Lösegeld zwingen. Kurz vor dem Zuschlagen wurde das Duo von einem eingefleischten Borussia-Anhänger, der ursprünglich als Komplize für den Menschenraub eingeplant war, "verpfiffen". Waffen, Fesseln und Maskierungen lagen schon bereit, als die Handschellen klickten. Monatelang hatten die Männer die Familie im Sammer-Wohnhaus in Herdecke an der Ruhr ausspioniert. Mutter und Tochter sollten dort bis zur Geldübergabe in Schach gehalten werden.
Der 41-jährige Maurer wurde wegen versuchter Anstiftung zum erpresserischen Menschenraub bestraft. Sein Komplize, ein erheblich vorbelasteter Fleischermeister, erhielt die höhere Strafe, weil er aus der Untersuchungshaft heraus mit Hilfe eines Mithäftlings einen "Killer" auf seinen geständigen jüngeren Komplizen ansetzen wollte. Angeblich sollte der gedungene Mörder den Hemeraner in einer Schrottpresse verschwinden lassen. In diesem Fall erkannte das Schwurgericht auf versuchte Anstiftung zum Mord.
Die Strafrichter glaubten bei der Bewertung des Entführungsplanes dem "Kronzeugen", der im November 1999 zur Polizei gegangen war und Familie Sammer somit vor großem Unheil bewahrte. "Als ich dann den Sammer vor der Haustür sah, ging bei mir die rote Laterne an", begründete der abgesprungene Komplize seinen damaligen Rückzieher.
Der gefeierte Europameister von 1996, der im selben Jahr zum besten Spieler des Kontinents gekürt wurde, gehörte offenbar zu den Idolen des Arbeitslosen. Auch Karin Sammer stand im Prozess als Zeugin Rede und Antwort. Die Mutter von zwei Kindern berichtete dabei von gravierenden Konsequenzen für die Familie. "Als die Polizei kam, war das schon ein Riesenschock. Wir hatten sehr große Angst, und das ist auch heute noch so." Wenn Matthias Sammer nicht zu Hause ist, schützen Leibwächter die Familie.