Urwald-Moderator Dirk Bach: Dschungelkönig der Herzen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Urwald-Moderator Dirk Bach Dschungelkönig der Herzen

Sie machten im australischen Busch nicht immer eine gute Figur: Carlo "Trantüte" Thränhardt, Caroline "Giftschlange" Beil oder Werner "The Body" Böhm: mit Fischschlamm übergossen, Kakerlaken im Haar, Blutegel auf der feuchten Haut. Einer besah sich das Treiben lästernd aus seinem kleinen Baumhaus: Dirk Bach, der wahre König des Dschungels.
Von Markus Brügge
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Natürlich. Dirk Bach kann einem ganz gehörig auf den Keks gehen. Er ist mindestens ebenso laut, wie er klein ist. Eher noch: vorlaut. Und ganz gewiss hat er das Zeug zur Diva. Aber gerade wenn man sich wünschte, dass die Moderationen von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" ein bisschen gekürzt werden könnten, machte er einen dieser kleinen Witze. Einen bösartigen, treffenden und scharfzüngigen Witz. Und man mochte ihn wieder.

Sollte Co-Moderatorin Sonja Zietlow ruhig die Dschungel-Domina geben und die Kandidaten mit der Miene eines weiblichen KGB-Oberst in den Schlamm schicken - Dirk Bach war der kleine König Urwald.

Da wäre zum einen seine Mode: Während Zietlow die Restbestände des Girliehaften an sich zu betonen suchte und den Zuschauer wahlweise mit Bauchfrei in Kaki oder Schulterfrei in Pink folterte, überraschte der Mann an ihrer Seite mit gewagtem Safari-Look: Mal spannten sich Lederriemen übers Kugelbäuchlein, mal zierten blaue Blumen den schokobraunen Urwaldanzug, mal schlängelten sich bonbonfarbene Vipern über ihn. Stets dazu passend: die Farbgestaltung der Tropenhelminnenseite.

Ebenso schillernd wie das Äußere waren die Spruchweisheiten, die aus Bachs Mund sprudelten. Während Küblböck den badenden Werner Böhm beaufsichtigte, kommentierte Bach trocken: "Daniel muss nicht mehr zum Bund - er hat seinen Zivildienst an Werner abgeleistet." Geradezu poetisch auch seine Schilderungen des Lageridylls. Als Küblböck sich am letzten Tag morgens aufhübschte, während Lisa Fitz das Feuer bewachte, dichtete Bach: "Eine echte kleine Familie da unten - das Wasser kocht, der Sohn schminkt sich..."

Dabei nahm Dirk Bach sich selbst, Kollegin Zietlow und das ganze Promi-Selbsterfahrungs-Medienhype-Camp nie zu ernst: "Gepflegtes Trash-Fernsehen wie das hier sollte man mit Freude machen. Und ich hab hier eine Menge zu lachen."

Und mit ihm die Zuschauer. Denn meist formulierte Bach den gehässigen Kommentar, den man selbst auf den Lippen hatte - nur spitzer, böser, schwärzer. Seine gemütliche Gummibärchen-Figur schien so viel überbordende Freude am Sarkasmus bisweilen kaum fassen zu können - dann hüpfte der kleine Mann wie ein Flummi durch das Urwald-Studio.

Oder er griff in die Kasperlkiste und kämpfte mutig mit einem Stoffkrokodil, während Sonja Zietlow neben ihm mit ihrer Moderation und einem Lachkrampf rang.

Dass er ein Herz hat, zeigte sich immer wieder dann, wenn die Kamera seinen entsetzten Gesichtsausdruck einfing, während Caroline Beil von Straußen gepiesackt wurde oder Werner "Wendehals" Böhm mit der Nase im Fischgedärm lag. Dann sagten seine Augen: Was um Himmels willen machen die da eigentlich? Manchmal schenkte er einem Dschungelgeprüften danach einen Essensstern, und es war, als würde er seinen letzten Schokoriegel auf dem Schulhof teilen.

Zum Glück für die Sendung dauerte seine Mitleidsphase stets nur kurz. Wenn die "Stars" schleimtriefend vor ihm standen, flutschten Bach die Gehässigkeiten heraus, und der Spott-Amor schoss seine giftelnden Pfeile ab: "Wie Bibo in der Mauser", mutete ihm Schlagerurgestein Böhm an, nachdem dieser durch Aale, Federn und Spinnen gekrabbelt war. Gewisse Ähnlichkeiten mit dem Sesamstraßen-Vogel waren wirklich nicht von der Hand zu weisen. Und Caroline Beil wurde nach ihrem Bad im Schlamm möglichst weit von seiner Nase verbannt. "Wie eine einzelne, kleine Person so stinken kann, ist mir unbegreiflich", stöhnte er.

Die Zuschauer mögen Costa Cordalis per Tele-Akklamation zum Herrscher des Urwalds bestimmt haben. Zur Strafe musste er sich eine erbärmliche Krone aus Farn und grünem Packband aufsetzen lassen. Doch der Thron der Wildnis gebührt in Wahrheit jemand anderem: Dirk Bach, dem Dschungelkönig unserer Herzen.