US-Ermittlungen Verhaftungswelle - ein Schlag ins Wasser?
Washington - Wie viele der nach den Attacken auf das World Trade Center und das Pentagon Festgenommenen noch in Haft sind und wie viele bereits wieder freigelassen wurden - darüber gibt es widersprüchliche Angaben. Glaubt man den Angaben des Weißen Hauses, so sind Hunderte inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Das US-Justizministerium aber widerspricht: Die Mehrheit der Inhaftierten bleibe in Haft. Dabei scheint es der Rechtsbehörde egal zu sein, ob die Verdächtigten tatsächlich im Zusammenhang mit den Anschlägen oder wegen illegaler Einwanderung oder eines anderen Verbrechens festgehalten werden.
Ari Fleischer, Sprecher des Weißen Hauses, musste nach seiner Äußerung, der "Löwenanteil" der Verdächtigten sei aus der Haft entlassen worden, zurückrudern. Auf Nachfrage räumte er ein, dass er die genauen Zahlen gar nicht kenne. Mindy Tucker, Sprecherin des Justizministeriums, sagte, seit dem 11. September seien 1182 Verdächtige festgenommen worden. Am Sonntag meldete die "Washington Post", von den ihr bekannten 235 Inhaftierten seien mindestens 75 freigelassen worden.
Angeklagt wurde bisher keiner
Keiner von ihnen - darunter viele Männer aus dem Mittleren Osten - konnte bisher die Mittäterschaft nachgewiesen werden. Generalstaatsanwalt und US-Justizminister John Ashcroft sagte, die Verdächtigen müssten in Haft bleiben, um weitere mögliche Anschläge zu verhindern.
Einer von ihnen ist Osama Awadallah. Er wurde immerhin schon vor den Richter gestellt. Er plädierte vor dem New Yorker Gerichtshof auf nicht schuldig. Awadallah wurde am 23. September festgenommen, nachdem die Behörden einen Hinweis auf ihn im Handschuhfach des Autos eines der Flugzeugentführer gefunden hatten.
Awadallah wird beschuldigt, unter Meineid wiederholt falsch ausgesagt zu haben. Zunächst leugnete er, Kontakt zu einem der Flugzeugentführer gehabt zu haben. Dann musste er seine Aussage revidieren. Ein von ihm selbst verfasstes Protokoll belegt, dass er doch mit einem der Flugzeugentführer bekannt war. In Awadallahs Wohnung wurden laut Anklageschrift Fotos von Osama Bin Laden gefunden.
Jesse Berman, Awadallahs Anwalt, hält die Vorwürfe gegen seinen Klienten nicht für hinreichend, ihn in Haft zu behalten. Die Fotos dienten den Behörden lediglich als Vorwand, Awadallah nicht auf freien Fuß zu setzen. Die gefundenen Fotos qualifizierte er als "unwichtige Ungereimtheit".