US-Grubenunglück: "Es ist ein Wunder" - DER SPIEGEL
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US-Grubenunglück "Es ist ein Wunder"

Nach dem Ende der Rettungsaktion für neun eingeschlossene Bergarbeiter brachen die Helfer in Jubel aus. Die Kumpel, die seit fast vier Tagen in einem Bergwerk im US-Bundesstaat Pennsylvania festsaßen, sind wohlauf. Zwei wurden mit offenbar leichten Verletzungen in Spezialkliniken gebracht.
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Somerset - Unter dem Jubel der wartenden Familien wurde der erste Mann am frühen Morgen an die Oberfläche gebracht, die übrigen acht folgten in etwa viertelstündigen Abständen.

Den Rettungskräften war es am Samstagabend gelungen, ein Telefon in den Schacht zu leiten und Lebenszeichen der Eingeschlossenen zu empfangen.

Die Bergleute saßen seit Mittwochabend in mehr als 70 Metern Tiefe in einer überfluteten Kammer fest, nachdem Teile des rund 90 Kilometer südöstlich von Pittsburgh gelegenen Bergwerks Quecreek eingestürzt und überschwemmt worden waren.

Offenbar hatten die Arbeiter aus Versehen die Wand zu einer benachbarten, stillgelegten und überfluteten Grube durchbrochen. Zum Zeitpunkt des Unglücks waren zwei Gruppen von Arbeitern unter Tage. Die eine Gruppe wurde von der anderen gewarnt und konnte die Mine noch verlassen.

Jubel nach der Befreiung

Helfer und rund 150 Zuschauer applaudierten bei jedem Bergmann, der an die Oberfläche gebracht wurde. "Alle neun, alle neun", jubelte der Gouverneur von Pennsylvania, Mark Schweiker, als mit Mark Popernack der letzte Bergmann aus dem Schacht gezogen wurde. Der 41-jährige Popernack kletterte nach 77 Stunden unter Tage um 02.45 Uhr aus der gelben Rettungsbombe. Er lächelte und zeigte den Daumen nach oben.

Mehr als hundert Angehörige eingeschlossenen Bergleute hörten die gute Nachricht in einer nahe gelegenen Feuerwehrstation, wo sie während der Rettungsarbeiten in bangem Hoffen ausgeharrt hatten. "Es ist ein Wunder", sagte John Weir, der Chef der Black Wolf Coal Co., die das Bergwerk betreibt. Mit Tränen in den Augen sagte er über die Bergleute: "Sie sind die härtesten Burschen, die auf der Erde herumlaufen."

Versorgung in Spezialklinik



Kaum waren die Kumpel gerettet, wurden sie auf Tragen gelegt und ins Krankenhaus gebracht. Die Gesichter der Männer waren von Kohle geschwärzt, ihre Kleider durchnässt. Zwei Bergleute wurden mit dem Hubschrauber in eine Spezialklinik nach Johnstown gebracht. Einer von ihnen litt an Schmerzen im Brustbereich, der andere hatte sich an der Schulter verletzt.

Die übrigen sieben Bergleute wurden in örtliche Krankenhäuser in Somerset eingeliefert. Einige der Kumpel litten an Unterkühlung, weil sie viele Stunden im zehn Grad kalten Wasser ausharren mussten. In den Krankenhäusern sollten sie ihre Angehörigen treffen.

Millionen Liter Wasser im Stollen

Die Männer hatten sich nach einem Wassereinbruch in einem kaum mannshohen, nur rund 5,5 Meter breiten Hohlraum befunden. Zu dem Unglück war es gekommen, als die Bergleute beim Kohleabbau versehentlich einen gefluteten Stollen anbohrten, der seit rund 50 Jahren stillgelegt ist.

Zwischen 190 und 230 Millionen Liter Wasser aus dem toten Schacht drangen in den Stollen mit den Bergleuten ein und verursachten seinen Einsturz.

Bereits wenige Stunden nach dem Unglück und nach ermutigenden Klopfzeichen hatten die Helfer damit begonnen, Pressluft in die Kammer zu pumpen. Am Freitag hatten sie einen Rückschlag erlitten, als in rund 30 Metern Tiefe der Bohrkopf zerbrach. In der Nacht zum Sonntag gelang es den Helfern schließlich, den Rettungsschacht zu bohren. In dem Bergwerk war es im Oktober 2001 schon einmal zu einem Grubenunglück gekommen, bei dem jedoch niemand verletzt wurde. Die Black Wolf Coal Co. war seit März 2001 bereits 26-mal wegen geringfügiger Verstöße gegen die Bergwerksbestimmungen belangt worden.