US-Justiz: Prügelpolizist nicht verurteilt - DER SPIEGEL
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US-Justiz Prügelpolizist nicht verurteilt

Wegen brutaler Misshandlung eines schwarzen Jugendlichen stand in den USA ein weißer Polizist vor Gericht. Doch obwohl die Übergriffe auf Video festgehalten wurden, konnten sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen.
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Los Angeles - Jeremy Morse, der im vergangenen Sommer dabei gefilmt worden war, wie er im Kreise von Kollegen einen schwarzen Jugendlichen misshandelte, wurde von sieben Jurymitgliedern schuldig gesprochen. Fünf dagegen waren der Meinung, der Polizist sei unschuldig.

Auch nach viertägiger Beratung hatte sich die Jury - nur einer der Geschworenen war Schwarzer - nicht auf eine gemeinsame Position verständigen können. Damit ist der Prozess gescheitert. Der Staatsanwaltschaft steht es nun frei, ein neues Verfahren zu beantragen. Der Anwalt des Polizisten, John Barnett, sagte, es sei unwahrscheinlich, dass eine andere Jury seinen Mandanten verurteilen würde.

Als die Entscheidung der Geschworenen verkündete wurde, habe es im Zuschauerraum lautstarke Proteste gegeben, berichtet der Nachrichtensender CNN.

Ein Amateurfilmer hatte am 6. Juli 2002 Donovan Jacksons Festnahme bei einer Verkehrskontrolle festgehalten. Die Videoaufnahmen zeigen, wie Morse den mit Handschellen gefesselten Jungen auf ein Fahrzeug wirft und ihm mit der Faust ins Gesicht schlägt. Bijan Darvish, ein Kollege Morses, stand ebenfalls vor Gericht. Ihm wurde vorgeworfen, in einem Polizeibericht falsche Angaben gemacht zu haben. Die Jury sprach den Beamten frei.

Die Misshandlung des schwarzen Jungen hatte bei vielen Amerikanern die Erinnerung an den Fall Rodney King geweckt. 1991 hatte ein Amateurfilmer die brutale Behandlung des schwarzen Autofahrers durch Polizisten aufgezeichnet. Nach dem Freispruch der weißen Beamten war es zu schweren Rassenunruhen gekommen, bei denen 50 Menschen getötet wurden.

Morses Anwalt hatte zu Prozessbeginn erklärt, er hoffe, "dass eine unabhängige Jury zu dem Schluss gelangen wird, dass die Anwendung von Gewalt notwendig war. Wir hoffen auf einen Freispruch." Bei einer Verurteilung wäre Morse bis zu drei Jahre ins Gefängnis gekommen. Außerdem drohte ihm eine Geldbuße in Höhe von 10.000 Dollar.

Für Aufregung hatte auch die Festnahme des Mannes gesorgt, der den brutalen Übergriff auf Video festgehalten hatte. Zwei Wochen nach der Veröffentlichung der Prügelbilder war Mitchell Crooks in Polizeihaft gekommen. Später sagte er, er habe sich bei dem Polizeieinsatz zahlreiche Prellungen zugezogen und sei wegen starker Schmerzen an Hüfte und Schultern in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Er habe sich bei der Verhaftung gefühlt, als sei er allein auf der Welt, schilderte er die Ereignisse. Ihm sei nicht zugestanden worden, mit einem Anwalt zu sprechen. Seine Hände hätten die Polizisten durch die Gitterstäbe der Zelle geführt und mit Handschellen festgekettet. So habe er 22 Stunden ausharren müssen. "Ich konnte weder sitzen noch stehen." Die Polizei hatte ihn wegen Verletzung der Bewährungsauflagen festgenommen. Ein Kameramann von CNN hatte Crooks Festnahme auf Video festgehalten. Auf dem Band war zu hören, wie Crooks in dem mit getönten Scheiben ausgestatteten Geländewagen der Polizei mehrmals um Hilfe schrie.