US-Lotto: Paar gewinnt 190 Millionen Dollar - DER SPIEGEL
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US-Lotto Paar gewinnt 190 Millionen Dollar

Sie können ihr Glück noch nicht begreifen: Die Hälfte eines 380 Millionen Dollar schweren Lotto-Jackpots geht an ein amerikanisches Ehepaar. Während über den zweiten Gewinner noch gerätselt wird, machen Carolyn und Jim McCullar schon Pläne - ganz bescheidene.
Schlangestehen: Mega-Jackpot löste in den USA einen Ansturm von Lottospielern aus
Schlangestehen: Mega-Jackpot löste in den USA einen Ansturm von Lottospielern aus

Schlangestehen: Mega-Jackpot löste in den USA einen Ansturm von Lottospielern aus

Foto: GENE BLEVINS/ REUTERS
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Hamburg - Carolyn McCullar hat Angst. Es ist Dienstagabend, kurz nach 23 Uhr. Sie hat schon geschlafen. Plötzlich steht ihr Mann im Schlafzimmer. Sein Gesicht ist ganz blass, er zittert. Carolyn McCullar, 63, fürchtet, ihr Mann Jim, 68, könnte einen Herzinfarkt haben. Er musste sich bereits mehreren Bypass-Operationen unterziehen.

"Alles in Ordnung?", fragt sie. "Alles perfekt", antwortet er.

Washington

Sekunden zuvor hat Jim McCullar noch in aller Ruhe auf der Couch gesessen und ferngesehen - die Ziehung der Lottozahlen. 4, 8, 15, 25, 47 und die Zusatzzahl, der sogenannte Mega Ball: 42. Jim McCullar weiß sofort, dass sie gewonnen haben. Die Zahlen ergeben sein Geburtsdatum und das seiner Frau. Sie spielen diese Nummern seit Jahren. Jetzt sitzt er am Schreibtisch im Schlafzimmer - und zeigt Carolyn den Gewinner-Schein. Das Ehepaar aus der Kleinstadt Ephrata im US-Bundesstaat hat die Hälfte des 380-Millionen-Dollar-Jackpots der Lotterie "Mega Millions" gewonnen. Der zweite Gewinner kommt aus Idaho, seine Identität ist aber bislang noch ein Rätsel. Es ist der zweithöchste Lotto-Jackpot in der Geschichte des Glücksspiels.

"Sie hat mich angesehen und geschrien", sagt Jim McCullar später der "Seattle Times". "Tränen flossen. Ich schaute sie an, fing an zu weinen und alles, was ich sagen konnte war: 'Ist das wahr?'"

Chance von eins zu 176 Millionen

Es ist wahr.

Vor der Ziehung waren die Chancen, einen Schein mit sechs Richtigen zu bekommen, von der Lotteriegesellschaft mit etwa eins zu 176 Millionen angegeben worden. Am Wochenende erst hatte das Ehepaar zwei Lottoscheine in einem Supermarkt in Ephrata gekauft. Der zweite Schein enthielt dieselben Zahlen, aber eine andere als Mega Ball. Er gewann auch - 150 Dollar.

Die Nachricht, dass einer der beiden Mega-Jackpot-Gewinner aus Ephrata kommt, verbreitet sich rasch im ganzen Land. Eine Meute von TV-Übertragungswagen fällt in die 7500-Einwohner-Stadt ein und macht sich auf die Suche nach den Glücklichen. "Ich habe mich wie eine Feldmaus gefühlt", sagt Jim McCullar, "mit 100 Falken, die über mir kreisen."

Am Donnerstag lüften die McCullars ihr Geheimnis. Sie geben eine Pressekonferenz in Olympia, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Washington. Ihnen wird ein überdimensionaler Scheck überreicht: über eine Summe von 190 Millionen Dollar. 190.000.000 Dollar. "Nicht schlecht für einen kleinen, alten Jungen aus Mississippi", sagt Jim McCullar - und reicht den Scheck schnell an seine Frau weiter. "Wir sind seit 41 Jahren verheiratet. Ich weiß, was ich mit diesem Scheck zu tun habe", sagt er.

Gratulation von der Gouverneurin

Jim McCullar war 17, als er seinen Heimatstaat Mississippi verließ und zur Navy ging. Später arbeitete er mehr als 20 Jahre für den Flugzeugbauer Boeing. Ende der neunziger Jahre setzte er sich zunächst zur Ruhe. Doch eines Tages habe er erkannt, sagt er der Zeitung "Spokesman-Review", dass er nicht die ganze Zeit nur Golf spielen könne - und wieder angefangen zu arbeiten, als Immobilien-Verkäufer.

Mittlerweile, so Jim McCullar auf der Pressekonferenz, habe er seine Firma informiert, dass er nicht mehr wiederkomme. Der 68-Jährige sitzt mit seiner Frau auf einem kleinen Podest. Er trägt ein graues Hemd, die bunte Krawatte ist farblich auf Carolyns Bluse abgestimmt. Die beiden lachen viel. Er schlägt sich immer wieder die Hände vors Gesicht.

Millionären

Selbst die Gouverneurin von Washington, Chris Gregoire, hat den neuen Multi- schon gratuliert. Angeblich soll sie scherzhaft gefragt haben, ob die McCullars ihr nicht helfen könnten, das staatliche Defizit abzubauen.

Doch das Ehepaar hat andere Pläne. Keine großen. Ein neues Haus soll her. In der Preisklasse bis 200.000 Dollar. Ein Klacks für die beiden. Sie haben sich auch schon nach deutlich teureren Eigenheimen umgesehen, diesen Gedanken aber schnell wieder verworfen. "Warum brauchen wir so etwas überhaupt? Das wäre eine vulgäre Zurschaustellung von Reichtum", sagen sie.

Und sonst? Carolyn McCullar hätte gerne ein Wohnmobil. Das Ehepaar will zudem einen Teil des Mega-Gewinns spenden, vor allem aber sicherstellen, dass ihre Familie für alle Zeiten versorgt ist. Jim McCullar hat sechs Kinder, zwei davon aus einer früheren Beziehung, 23 Enkel und fünf Urenkel. "Wir werden nicht das ganze Geld verprassen", sagt er.